Die Holländer und der deutsche Fußball : Wie wir die Deutschen lieben lernten

Die Holländer hatten traditionell ein gespanntes Verhältnis zum deutschen Fußball. Das hat sich längst geändert, meint der niederländische Deutschland-Korrespondent Wierd Duk. Man gönnt den Deutschen sogar den Titel.

Wierd Duk
Gefällt mir. Frank de Boer, Trainer von Ajax Amsterdam, findet Dortmunds Fußball gut.
Gefällt mir. Frank de Boer, Trainer von Ajax Amsterdam, findet Dortmunds Fußball gut.Foto: dpa

Frank de Boer, der erfolgreiche Trainer von Ajax Amsterdam, hat einen guten Draht zu Jürgen Klopp, dem Trainer von Borussia Dortmund. Kennen gelernt haben sich die beiden bei einer Trainertagung am Uefa-Sitz in Nyon. Mit zwei weiteren Kollegen, so hat de Boer erzählt, hätten sie einen „klasse Abend“ erlebt. Seitdem stehen Klopp und de Boer in Kontakt. Der Coach der Dortmunder informierte sich vor kurzem persönlich bei de Boer nach Christian Eriksen, dem dänischen Jungstar von Ajax, der wahrscheinlich zum BVB wechseln wird.

„Wir haben die gleichen Vorstellungen vom Fußball“, hat Klopp in einem Interview mit der niederländischen Tageszeitung „De Telegraaf“ gesagt. Frank de Boer wiederum, eine Ikone des niederländischen Fußballs, lobt Klopp: „Er hat Großartiges geleistet. So wie Dortmund Fußball spielt, so würde ich Ajax gerne spielen sehen.“

Die Zeiten haben sich geändert. Die große niederländische Fußball-Generationen von 1974 und 1988, also die von Johan Cruyff und Marco van Basten, hatten eine recht komplizierte Beziehung zum deutschen Fußball. Unter den 74ern gab es noch Spieler wie Willem van Hanegem die im Krieg Verwandte verloren hatten und jedes Spiel gegen „die Moffen“ als eine persönliche Abrechnung betrachteten. Die 88er mussten sich wieder beweisen – nach langen Jahren von niederländischer Abwesenheit vor der internationalen Fußballbühne. Wenig hatte damals mehr Bedeutung als ein Sieg über Deutschland. Deutschland war der Fußballfeind schlechthin. Lothar Matthäus, in holländischen Augen der Schwalbenkönig der Deutschen, personifizierte den ewigen deutschen Kampfußball.

Die Generation Frank de Boer, die bei der Weltmeisterschaft 1998 und der Europameisterschaft 2000 glänzte, hatte ein ganz anderes Verständnis vom deutschen Fußball. Damals waren die deutschen Fans ja eher zu beklagen. Die deutsche Nationalmannschaft ging durch eine Krise. Der deutsche Fußball spielte kaum noch eine Rolle. Es dauerte bis 2006, ehe die Deutschen sich zurückmeldeten. Dann kamen die aber in einer ganz anderen Verfassung: locker und spielerisch, angriffslustig. Die Welt, auch Holland, war erstaunt und freute sich: Die Mannschaft war auf einmal cool.

Diese neue deutsche Fußball-Generation feiert am Samstagabend im Wembley, dem Zuhause des Fußballs, sich selbst. Ja, einige Ausländer wie Robben, Ribéry und Lewandoswki dürfen mitmachen, aber das Champions-Leaugue-Finale ist vor allem ein deutsches Endspiel.

Interessant ist: Es wird den Deutschen international gegönnt. Manche Außenstehende, wie Louis van Gaal, versuchen sogar ihren Teil am deutschen Erfolg zu reklamieren. Louis van Gaal zum Beispiel, der behauptet, er sei als Trainer entscheidend gewesen für den heutigen Spielstil von Bayern München.
Und Frank de Boer lobt den Spielstil von Borussia Dortmund.

Erbfeind Deutschland? Das war einmal.

Wierd Duk ist ein niederländischer Journalist und Deutschland-Korrespondent für niederländische Medien.

 

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