Sport : Die Hundstage sind vorbei

Der 1. FC Union ist nach dem 1:0-Sieg in Ingolstadt Tabellenführer in der Zweiten Liga.

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Der große Sprung. Torschütze Sören Brandy und der 1. FC Union sind zum ersten Mal seit dem ersten Spieltag der Saison 2009/2010 wieder Spitzenreiter der Zweiten Liga. Foto: City-Press
Der große Sprung. Torschütze Sören Brandy und der 1. FC Union sind zum ersten Mal seit dem ersten Spieltag der Saison 2009/2010...Foto: City-Press GbR

Es hatte sich schon mit Beginn der zweiten Halbzeit abgezeichnet, dass Fußball-Zweitligist 1. FC Union erstmals seit vier Jahren wieder die Tabellenführung übernehmen könnte. Doch erst als der 1:0 (0:0)-Erfolg der Berliner beim FC Ingolstadt und die parallele 0:2-Niederlage des bisherigen Liga-Ersten Greuther Fürth gegen den VfL Bochum feststanden, ertönten von den rund 700 mitgereisten Berliner Anhängen lautstark die „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufe. Da machte das Abfeiern der Mannschaft vor dem Gästeblock natürlich richtig Spaß. „Das war ein toller Empfang. Es ist ein schönes Gefühl, auswärts gefeiert zu werden“, sagte Verteidiger Patrick Kohlmann. „Und nicht wie in den letzten Jahren wie die bedröppelten Hunde in die Kurve zu gehen, um zu erklären, warum man verloren hat.“

Im September 2013 scheint Union von einem anderen Format zu sein. Die Eigenschaften einer Spitzenmannschaft sind unverkennbar. Seit der 1:2-Auftaktniederlage gegen Bochum ist die Mannschaft ungeschlagen, inzwischen besitzt sie die Qualität, auch Spiele zu gewinnen, in denen sie nicht dominant auftritt. So wie in Ingolstadt. Vor lediglich 5909 Zuschauern hätten die abstiegsbedrohten Oberbayern durch Christoph Knasmüllner, den stark beginnenden Ex-Herthaner Alfredo Morales, den früheren Cottbuser Roger und Tomas Hajnal durchaus in Führung gehen können. Doch der sichere Berliner Torwart Daniel Haas zeigte sich stets auf dem Posten und lieferte damit die Basis, dass Union erstmals in dieser Saison zu Null spielen konnte.

Union kam nicht so richtig in die Partie, auch wenn Mittelfeldspieler Damir Kreilach bereits in der zweiten Minute und Verteidiger Fabian Schönheim mit Fernschüssen gefährlich werden konnten. „Das war kein gutes Spiel von uns, aber solche Partien gehören dazu. Wir wollten uns bei den Standards konzentrieren und so ist das Tor gefallen“, sagte Kapitän Torsten Mattuschka. „Zu Null war ganz wichtig. Wir haben ein Scheißspiel gemacht und haben trotzdem drei Punkte mitgenommen.“

Besagten Treffer besorgte Sören Brandy nach Hereingabe von Fabian Schönheim und Kopfballverlängerung von Christian Stuff nach 48 Minuten. Für den Torschützen, der mal wieder wie ein sterbender Schwan fallend zu jubeln versuchte, war allerdings schon bald nach der wichtigen Führung Schluss.

„Es war ein Pferdekuss. Da ist mir das Laufen schwergefallen. Der Trainer hat reagiert“, sagte Brandy, der einen dicken blauen Verband um den verletzten Oberschenkel erhielt.

So richtig an den Sieg glauben wollte bei den Berlinern lange niemand. Zu oft hatte es in Ingolstadt bei Spielen gegen Union in den letzten Minuten Tore für die Gastgeber gegeben. Nicht so in diesem Jahr, weil die Berliner inzwischen deutlich gereift sind und über den nötigen Willen verfügen. Am vergangenen Wochenende hatten sie gegen St. Pauli einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg umgewandelt. In Ingolstadt brachten sie den Sieg über die Zeit, ohne am Ende ernsthaft in Gefahr zu geraten.

Auf der Tribüne und auf dem Rasen jubelten alle Berliner ausgiebig. „Ich bin natürlich zufrieden. Ingolstadt hatte in der ersten Hälfte zwei, drei gute Möglichkeiten. Das frühe Tor hat uns in die Karten gespielt“, sagte Unions Trainer Uwe Neuhaus. „Wir haben nicht mehr viel zugelassen. Mit der Leistung der zweiten Halbzeit bin ich zufrieden, weil wir es souverän über die Bühne gebracht haben. Ein kleines bisschen Glück muss man sich erarbeiten.“

Gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth wird es nun am Freitag im Stadion An der Alten Försterei das Spitzenspiel des Ersten gegen den Zweiten geben. Bei Union hatte man eigentlich erwartet, dass die Paarung andersherum lautet. „Es ist doch egal, ob wir Erster oder Zweiter sind“, sagte Mattuschka.

Richtig: Am Saisonende würden beide in die Bundesliga aufsteigen.

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