Sport : Die Hungerjahre sind vorbei Toyota hat endlich Erfolg in der Formel 1

Karin Sturm[Sepang]

Tsutomu Tomitas Augen waren auf das Podest gerichtet, doch in Wirklichkeit blickte er viel weiter. „Das war der erste von vielen Podestplätzen“, sagte der Teamchef von Toyota. Beim Großen Preis von Malaysia vor einer Woche betrat der Italiener Jarno Trulli als erster Toyota-Pilot überhaupt das Siegertreppchen der Formel 1 – wenn er auch nicht bis ganz nach oben durfte, sondern nur auf die zweite Stufe. Ralf Schumacher rundete als Fünfter das bislang beste Ergebnis der Teamgeschichte ab. „Wir wissen, dass wir dieses Resultat bestätigen müssen“, sagte Tomita. „Aber ich nehme es gern als kleinen Appetithappen.“ Tomitas Hunger ist damit noch lange nicht gestillt.

Nach drei Jahren ist Toyota endlich ein ernst zu nehmender Rivale im Kampf um Podestplätze geworden. „Für uns alle ist das eine große Erleichterung“, sagt Mike Gascoyne. Der Technikchef hat erheblichen Anteil am Erfolg. Seit er Ende 2003 von Renault gekommen ist, hat sich die einst so schwache Aerodynamik des Autos deutlich verbessert. In Sepang konnte der von Gascoyne entworfene Toyota erstmals über eine komplette Renndistanz an der Spitze mithalten. Dass das Auto schnell ist, war zwar bereits beim Saisonauftakt in Melbourne zu sehen gewesen – aber auch, dass es große Probleme mit dem Reifenverschleiß hatte. Je länger die Distanz wurde, desto hoffnungsloser wurde die Situation für Trulli und Schumacher.

An ein gutes Resultat in Malaysia wollten folglich selbst einige Teammitglieder nicht glauben. Nur einer war sich seiner Sache sicher: Mike Gascoyne. „Wir können hier sogar um den Sieg mitfahren“, hatte er nach den Trainingsresultaten verkündet. Er behielt Recht, lediglich Fernando Alonso war im überlegenen Renault am Ende doch ein wenig zu schnell.

Intern betrachtet lässt sich das Resultat von Sepang aber durchaus einem Sieg gleichsetzen. In der Konzernzentrale in Japan waren erste Zweifel an der Existenzberechtigung des Teams aufgekommen. Schätzungsweise 400 Millionen Euro pro Jahr lässt sich der zweitgrößte Automobilhersteller der Welt sein Formel-1-Engagement kosten – so viel wie niemand sonst. Mehr als 600 Angestellte aus 33 Ländern arbeiten in der Formel-1-Abteilung, die in Köln-Marsdorf beheimatet ist. Wer mit solchen Zahlen jongliert, gibt sich auf Dauer nicht mit achten Plätzen zufrieden. „Wir standen unter Druck, aber wenn man ein neues Team aus dem Nichts aufbaut, dann dauert es eben“, sagt Teampräsident John Howett. Nun liegt Toyota auf Platz zwei in der Teamwertung, und in der Führungsetage ist erst einmal etwas Ruhe eingekehrt. „Wenn wir so weitermachen, dann haben wir die Chance, die dritte Kraft zu werden“, glaubt Ralf Schumacher,

Auch BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen betrachtet den Rennstall seines ehemaligen Piloten inzwischen ein wenig genauer. „Durchaus möglich, dass in Toyota den anderen Top-Teams jetzt schneller als erwartet ein neuer Gegner erwächst“, sagt er. Die Zielsetzung in Köln-Marsdorf hat sich jedenfalls eindeutig geändert. Vor der Saison sprachen Mike Gascoyne und die Fahrer von „möglichen Podiumsplätzen in der zweiten Saisonhälfte“. Jetzt denkt man nur noch an eines: ans Gewinnen.

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