Sport : Die Kasachen krabbeln hinterher

Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt ohne allzu große Mühe 3:0 auf dem Kunstrasen von Astana.

Auf den Kunstrasen geschickt. Julian Draxler lässt zwei kasachische Gegner hinter sich. Der Schalker stand überraschend in der Startelf, hatte zwei gute Chancen – und musste schon nach einer Viertelstunde mit Verdacht auf Gehirnerschütterung vom Platz. Foto: dpa Foto: dpa
Auf den Kunstrasen geschickt. Julian Draxler lässt zwei kasachische Gegner hinter sich. Der Schalker stand überraschend in der...Foto: dpa

Astana - Das Amt des Bundestrainers erfordert gelegentlich ein hohes Maß an diplomatischem Geschick. Joachim Löw hat das dieser Tage erfahren, nachdem er den Vorschlag unterbreitet hatte, eine Vorqualifikation für kleinere Nationen einzuführen. In Kasachstan war diese Idee gar nicht gut angekommen. Aber die Kasachen, behauptete Löw daraufhin, habe er doch gar nicht gemeint. Möglicherweise hat er diese Aussage gestern Abend, beim WM-Qualifikationsspiel auf dem Kunstrasen der Astana Arena, schon wieder bedauert – so unbedarft traten die Gastgeber, Nummer 139 der Welt, zumindest vor der Pause auf. In der zweiten Halbzeit ließen die deutschen Fußballer die Sache ein wenig schleifen. Trotzdem sprang am Ende ein ungefährdeter 3:0 (2:0)-Sieg heraus. „Drei Punkte – das war’s“, sagte Thomas Müller über die letztlich unspektakuläre Dienstreise an den Rand des Kontinents.

In der ersten Hälfte kamen die Deutschen beim Ballbesitz auf Prozentwerte, die selbst den autoritär regierenden kasachischen Staatschef Nursultan Nasarbajew bei den Präsidentenwahlen nicht beleidigen würden. Die Gäste kombinierten zum Teil recht ansehnlich, allein der Ertrag blieb ein bisschen dürftig. Es fehlte die letzte Entschlossenheit im Spiel aufs Tor. Lag es womöglich daran, dass der Nationalmannschaft ein Stoßstürmer als Fixpunkt im Strafraum fehlte? Löw probierte es tatsächlich im spanischen Modell ohne echten Angreifer, allerdings auch ein wenig notgedrungen. Mario Gomez stand wegen einer leichten Oberschenkelzerrung nicht in der Startelf.

Etwas überraschend fand sich dort Julian Draxler wieder, zum ersten Mal überhaupt. Der Schalker spielte für Lukas Podolski auf der linken Seite und war für die ersten beiden Offensivaktionen verantwortlich. Nach einem Doppelpass mit Marcel Schmelzer verfehlte er knapp das Tor; kurz darauf landete sein Schuss aus 20 Metern genau in den Armen des kasachischen Torwarts Andrej Sidelnikow. Doch nach einer Viertelstunde war der Arbeitstag für Draxler schon wieder beendet. Mit Verdacht auf Gehirnerschütterung wurde der 19-Jährige ausgewechselt. Podolski kam doch noch zu seinem 108. Länderspieleinsatz und zog damit mit Jürgen Klinsmann gleich. Nur Lothar Matthäus und Miroslav Klose haben noch häufiger für die Nationalmannschaft gespielt als der 28-Jährige.

Podolski war kaum auf dem Platz, da gingen die Deutschen in Führung. Bastian Schweinsteiger, der am Dienstag im Rückspiel wegen seiner zweiten Gelben Karte gesperrt ist, nahm den Ball im Strafraum an, lupfte ihn über seinen Gegenspieler und schloss dann volley ab. Vermutlich wäre der Ball am Pfosten vorbeigeflogen, doch Thomas Müller fälschte ihn mit der Brust noch zum 1:0 ins Netz ab. Müller teilte seinem Teamkollegen von den Bayern gleich mit: „Das kannst du dir abschminken, dass der für dich zählt.“ Zwei Minuten später war das Spiel dann schon so gut wie entschieden, als Mario Götze nach einem Fehler Sidelnikows zum 2:0 abstaubte. Der Dortmunder war nominell der Angreifer in der angreiferlosen Mannschaft der Deutschen, musste nach der Begegnung aber zugeben, dass es nicht einfach war gegen die extrem passiven Gastgeber. „Es gab wenig Platz, um offensiv vernünftig zu spielen“, sagte Götze.

Nach der Pause gelang das den Deutschen noch seltener. Zudem wurden die Kasachen mit dem Bundesligaprofi Heinrich Schmidtgal von der SpVgg Greuther Fürth etwas aktiver; echte Gefahr für die deutsche Defensive aber entwickelten sie zunächst nicht. Weil auch die Gäste sich keine Chancen mehr erspielten, fiel das Niveau merklich ab. „In der zweiten Halbzeit hatten wir ein paar Nachlässigkeiten im Spiel“, sagte Thomas Müller. „Darüber werden wir reden müssen.“

Zumal die Nachlässigkeiten beinahe bestraft worden wären. Zwanzig Minuten vor Schluss erreichte die Geräuschkulisse unter dem geschlossenen Arenadach ungeahnte Höhen – als der eingewechselte Ulan Konysbajew mit einem Fernschuss die Latte des deutschen Tores traf. Kurz danach musste Torhüter Manuel Neuer zum ersten Mal eingreifen. Einen Schuss von Schmidtgal lenkte er zur Ecke. Wenig später ließ Müller die Kasachen endgültig verstummen. Nach einer flotten Kombination über Mario Götze und Mesut Özil traf er zum 3:0-Endstand. Tsp

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