Sport : Die Katze ist auf der Palme

Mit einem Team der Namenlosen ist UD Levante in Spanien Tabellenführer

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Blau-Rot steht oben. Aber es ist nicht der FC Barcelona, sondern  Levante. Foto: AFP
Blau-Rot steht oben. Aber es ist nicht der FC Barcelona, sondern  Levante. Foto: AFPFoto: AFP

Im Norden Valencias, dort wo die Arbeiter wohnen, ereignete sich vor vielen Jahren einer der makabersten Scherze der spanischen Fußballgeschichte. Unweit des Stadions Ciutat de Valencia, wo UD Levante seine Heimspiele austrägt, banden Anhänger des Stadtrivalen FC Valencia eine tote Katze an eine Palme. Daneben befestigten sie ein Schild: „Quan el gat puge a la palmera, el Levante estara a Primera“ – wenn die Katze die Palme hochgeklettert ist, wird Levante in der Ersten Liga sein.

Inzwischen lachen die Fans des FC Valencia nicht mehr. Levante ist längst in der Primera Division, Spaniens Erster Liga, angekommen und ist dort die große Überraschung der Saison. Seit dem vergangenen Wochenende steht die Mannschaft an der Tabellenspitze – zum ersten Mal in der 102-jährigen Klubgeschichte. Dass Levante dort längerfristig vor Real Madrid und dem FC Barcelona verharren kann, glaubt Rafa Marín nicht: „Im Grunde ist nur wichtig, dass die Mannschaft so schnell wie möglich die nötigen Punkte gegen den Abstieg beisammen hat“, sagt Marín, der als Journalist für die Zeitung „Superdeporte“ in Valencia arbeitet und Levante seit fünf Jahren begleitet. Seine Bescheidenheit ist historischen Ursprungs: Noch nie konnte Levante einen offiziellen Titel gewinnen, der Pokalsieg 1937 während des Bürgerkriegs wird bis heute nicht anerkannt und die aktuelle Erstliga-Saison ist erst die siebte des Vereins.

Die Mannschaft setzt sich ausschließlich aus unbekannten Spielern zusammen, lediglich Arouna Koné dürfte einigen deutschen Fans aus seiner Zeit bei Hannover 96 ein Begriff sein. Selbst Trainer Juan Ignacio Martínez, wegen seiner Initialen JIM genannt, war vor der Saison in Spanien nur Fachleuten bekannt. Beim 3:2-Sieg jüngst gegen San Sebastian war die Startelf im Schnitt knapp 32 Jahre alt, Levante zählt zu den ältesten Teams der Liga – und hat trotzdem Erfolg. „Die meisten Spieler hatten ihre beste Zeit bei anderen Klubs, sind in ein Karriereloch gefallen und finden im Trikot von Levante zu alter Stärke zurück“, erklärt Marín.

So wie Sergio Ballesteros etwa. Der Innenverteidiger mit der Statur eines Bären erlebt im Alter von 36 Jahren ein spätes Karrierehoch. Beim sensationellen 1:0-Sieg gegen Real Madrid im September erlangte der Kapitän bei den eigenen Anhängern Kultstatus, weil er trotz seiner 93 Kilo Körpergewicht ein Sprintduell gegen Cristiano Ronaldo gewann. Ballesteros stammt wie die Hälfte des Kaders aus der Umgebung Valencias, die Identifikation der Spieler mit dem Klub ist hoch.

Es gab einmal eine Zeit, da versuchte auch Levante sich mit Stars und Glamour zu umgeben. In den Achtzigern kam Johan Cruyff zum Ende seiner Karriere und ließ sich vertraglich zusichern, nur bei Heimspielen aufzulaufen. Auch Bernd Schuster hatte als Trainer wenig Erfolg. 2008 musste der Klub gar die Zahlungsunfähigkeit anmelden. Damals glaubte in Valencia niemand, dass Levante in die Erste Liga zurückkehren würde.

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