Sport : Die Katze schwimmt

Motorrad: Bradl und Folger siegen in Silverstone

Silverstone - Der größte Unterschied zwischen Stefan Bradl und Jonas Folger war die Promillezahl. Beide hatten gerade ihre Rennen in der Motorrad-WM im verregneten Silverstone gewonnen. Doch während Bradl seinen Sieg in der Moto2-Klasse mit Sekt feiern durfte, blieb Folger das nach seinem Triumph in der 125-ccm-Klasse vorenthalten. Aus Jugendschutzgründen: Der junge Mann aus Schwindegg ist erst 17 Jahre alt.

Dennoch war der Doppelerfolg 20 Jahre nachdem Ralf Waldmann und Bradls Vater Helmut auf dem Hockenheimring letztmals zwei deutsche Erfolge einfuhren, so etwas wie ein Dokument für die wiedergewonnene Stärke und das Selbstbewusstsein der deutschen Piloten. Vor allem Bradl war nach dem vierten Sieg im siebten Rennen und nun 62 Punkten Vorsprung im WM-Gesamtklassement überwältigt. „Mir fehlen die Worte, es war wohl das stärkste Rennen meiner Laufbahn“, sagte der 21-Jährige. Besonders freute sich der Zahlinger über seine Fahrt durch den Dauerregen. „Ich habe noch nie im Regen gewonnen, aber es ist ein unglaublich gutes Gefühl. Im Fahrerlager hatte sich bereits rumgesprochen, dass der Bradl eine Katze im Regen ist – nämlich wasserscheu.“

Zuvor musste er hart arbeiten, denn die Wasserlachen verlangten höchste Konzentration und Können. Auch Bradl musste zwei Schrecksekunden überstehen, als sein Motorrad ausbrach. Mit Glück und Geschick brachte er die Kalex jedoch unter Kontrolle. „Das hing auch damit zusammen, dass wir eine Änderung an der Vorderradgabel vorgenommen hatten und ich mich von da an auf dem nassen Asphalt richtig wohlgefühlt habe“, berichtete der WM-Spitzenreiter.

Auch Folger behielt in der Nässe die Nerven. Selbst die Sektdusche durch die von ihm bezwungenen Johann Zarco aus Frankreich und Hector Faubel aus Spanien und nahm er wie ein Routinier hin. Zuvor hatte er gezeigt, warum sich mehrere Teams um das Talent reißen.

Von Platz fünf kommend, fuhr er zu Beginn der zweiten Runde an die Spitze und ließ nur seinen Teamkollegen Zarco kurzzeitig noch einmal vorbei. Dabei ging der Bayer immer wieder ans Limit. Und das, obwohl er im Aufwärmtraining trotz der schnellsten Rundenzeit auch gestürzt war. „Da war die Fahrwerkseinstellung nicht hart genug“, erzählte der fast schüchtern wirkende Folger. „Im Rennen selbst war sie fast zu hart, ich bin erneut oft gerutscht. Zum Glück konnte Zarco mir dann irgendwann nicht mehr folgen und so konnte ich den Sieg heimfahren.“ Die Glücksgefühle ließ er in seiner Rennkombi, nachdem lediglich bei der Zieldurchfahrt auf dem Hinterrad und in der Auslaufrunde mit stürmischen Armbewegungen Freude gezeigt hatte. „Ich habe es eben noch nicht realisiert“, meinte Folger.

Nach seinem ersten Sieg ist Folger nun der jüngste deutsche Grand-Prix-Sieger und Zweiter in der WM. Sandro Cortese aus Berkheim, der diese Position bislang innehatte, musste sich auf dem ungeliebten nassen Asphalt mit Platz sieben begnügen. Dennoch blieb er vor WM-Spitzenreiter Nicolas Terol aus Spanien, der Achter wurde. Das Rennen der MotoGP gewann der Australier Casey Stoner. Mit seinem dritten Sieg hintereinander übernahm der Honda-Pilot auch die Führung im Gesamtklassement. dpa

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