Sport : Die Kehrtwende der Strategen

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Von Erich Ahlers

Seogwipo. Der Präsident höchstpersönlich war gekommen. Gerhard Mayer-Vorfelder saß auf dem Podium des deutschen Medienzentrums in Seogwipo und verkündete Wichtiges. Denn die Strategen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatten innerhalb von 24 Stunden eine erneute Kehrtwende vollzogen bezüglich ihrer Reisepläne. Falls Deutschland am Freitag das Viertelfinale gegen die USA gewinnt, wird der Tross nun doch – wie seit langem geplant – auf die Insel Jeju zurückkehren und nicht nach Seoul umziehen. Im Sinne der Partnerschaft mit den elektronischen Medien sei die Entscheidung getroffen worden.

Das Hin und Her wirft ein bezeichnendes Licht auf das Selbstverständnis des größten Sportfachverbandes der Welt. In Sachen Organisation und Öffentlichkeitsarbeit geht bei Großereignissen fast immer etwas schief. Meist sind es banale Dinge, die Explosionsgefahr auslösen. „Der DFB ist ein einziger Sauhaufen", schimpft ein Journalist, der in Asien schon seine sechste WM erlebt.

ARD, ZDF und Premiere hatten sich wegen der kurzfristig ausgekungelten Umzugspläne per Protestschreiben massiv beschwert und weigerten sich, ein weiteres deutsches Medienzentrum in Südkoreas Hauptstadt aufzubauen. Erst nach dieser Drohung lenkten die DFB-Funktionäre ein. Seit Monaten ist bekannt, wo die Mannschaft im Erfolgsfalle spielt. Doch erst fünf Tage vor dem Viertelfinale machte man sich Gedanken über die Unterkunft Gedanken. Nur Kamerun stellte sich beim Ausarbeiten der WM-Trips noch ungeschickter an: Das Team benötigte für die Anreise nach Asien 44 Stunden. Teamchef Rudi Völler wollte von der Planungsposse nichts mehr hören: „Wenn wir sonst keine Probleme haben, haben wir wohl alles richtig gemacht." Die sportliche Leitung hatte für einen Umzug plädiert, um einen Flug zu sparen und damit Reisestrapazen zu minimieren. Ein nachvollziehbarer Gedanke, der nur etwas spät in den DFB-Köpfen Einlass fand. Völler und Co. mussten schließlich zurückgepfiffen werden. DFB-Chef Mayer-Vorfelder trug wenig Erhellendes bei. Einen Fragesteller beschied er gestern mit der schlichten Feststellung: „Nun seien sie doch froh, dass wir die Entscheidung wieder rückgängig gemacht haben."

Dass bei der Außendarstellung der Nationalelf vieles im Argen liegt, ist nicht neu. Der Verband unternimmt jedoch herzlich wenig, um dies zu ändern. Trainingseinheiten wurden in den vergangenen Tagen verschoben oder auf andere Plätze verlegt, ohne dass es darüber Informationen gegeben hätte. Nebulöse Regeln des Weltverbandes Fifa dienen als willkommene Ausrede für eingeschränkte Medienkontakte. Das mediale Krisenmanagement ist Chefsache beim DFB. Präsident Mayer-Vorfelder gab den Journalisten den jovialen Rat: „Beim nächsten Problem greifen Sie doch einfach zum Telefon und rufen mich an. Dann klären wir das direkt."

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