Sport : Die kleine Lösung

Hertha BSC möchte ein paar von 30 Profis abgeben – nicht erst im Sommer, wenn 14 Verträge auslaufen

Klaus Rocca,Michael Rosentritt

Von Klaus Rocca

und Michael Rosentritt

Berlin. Wenn der Fan wütend ist, dann geht er ins Netz. Ins weltweite, das mittlerweile jedem via Computer zugänglich ist. „Mein persönlicher Hertha-TÜV zur Winterpause: Man sollte sich von den Spielern Hartmann, Schmidt, Preetz und Karwan trennen. Und vom Trainer gleich mit“, schrieb ein besonders wütender Hertha-Fan auf der Homepage des Fußball-Bundesligisten im Internet. Vom Trainer wird Hertha BSC sich sicher nicht trennen. Von dem einen oder anderen Spieler schon, sofern er nicht wie Michael Preetz ohnehin nach dieser Saison ins Management gehen wird. „Wir werden den Kader verkleinern, uns ganz auf die Leistungsträger konzentrieren“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Im kommenden Sommer, nach Ablauf dieser Saison, laufen bei Hertha die Verträge von 14 Profis aus.

Dass sich auf dem Trainingsplatz manchmal 30 Spieler tummeln, bereitet nicht nur Trainer Huub Stevens Probleme. Auch Hoeneß stöhnt angesichts der Finanznöte durch die Kirch-Krise und des beträchtlichen Schuldenberges von 16,9 Millionen Euro. An die Spielergehälter, wie gerade beim 1. FC Union praktiziert, will Hertha dennoch nicht ran. „Wir müssen unsere Personalkosten über die Verkleinerung des Kaders und leistungsbezogene neue Verträge senken“, sagt Hoeneß. Doch auch er weiß, dass die Leistungsträger nur durch besser dotierte, langfristige Verträge zu halten sind. So wie Marcelinho, mit dem gerade von 2005 bis 2007 verlängert wurde. Oder Arne Friedrich, der von anderen Vereinen umworben wird und den Hertha demnächst gleichfalls längerfristig binden will. Von anderen aber wird sich Hertha trennen. Angestrebt wird eine Kadergröße von 22 Spielern.

Eine Reihe von Spielern muss sich mit dem Gedanken vertraut machen, sich demnächst nach einem anderen Verein umsehen zu müssen. Zu ihnen dürften neben Benjamin Köhler, Rob Maas und Nderim Nedzipi auch Michael Hartmann und Andreas Schmidt gehören, mit denen Hertha aus der Zweiten Bundesliga aufgestiegen ist. Beiden wird ein Qualitätssprung nicht mehr zugetraut. Maas wird schon an der Vorgabe scheitern, die vertraglich fixierte Zahl von 25 Pflichtspielen zu bestreiten, damit sich der Vertrag automatisch verlängert. Der brasilianische Verteidiger Nené hat dagegen einen Vertrag mit einer einseitigen Option, so dass Hertha im Juni entscheiden kann, wie es weitergeht. In seinem Fall aber wird Hertha wohl von der Option Gebrauch machen. Nené ist Stammspieler.

Eyjölfur Sverrisson, der Hertha schon im vergangenen Sommer verlassen wollte, wird sich nicht noch einmal überreden lassen und endgültig aufhören. Andere wie Marko Rehmer, Stefan Beinlich und Dick van Burik wird Hertha halten wollen. „Mein Berater ist seit einiger Zeit mit Hertha in Verhandlungen. Es sieht gut aus“, sagt Rehmer. Wobei es sein Berater Jörg Neubauer wie andere auch derzeit wesentlich schwerer hat, für seinen Klienten möglichst viel herauszuholen. Gehaltserhöhungen sind bei den finanziellen Engpässen der Vereine längst nicht mehr selbstverständlich.

Nach einem Beschluss der Deutschen Fußball Liga (DFL) öffnet sich im Januar noch einmal die Transferliste. Personelle Veränderungen in der anstehenden Winterpause kann Dieter Hoeneß nicht ausschließen. Der Manager weiß aber auch, dass praktisch alle Bundesligisten ihren Kader ausdünnen und Spieler abgeben wollen. Einen Markt für diese Spieler aber gibt es momentan nicht. Dafür steht die erste Neuverpflichtung für die Saison 2003/04 längst fest: Bielefelds Stürmer Artur Wichniarek (25) wechselt nach Berlin. Im Sommer schon hatte er bei Hertha einen Vierjahresvertrag unterschrieben.

Auf Herthas Wunschliste ganz weit oben steht ein zentraler, defensiver Mittelfeldspieler, der nicht nur gegnerische Angriffe stoppt, sondern auch direkte Gegenangriffe einleiten kann. „Aber Leute, die uns auf dieser Position wirklich weiterhelfen könnten, sind kaum bezahlbar“, sagt Manager Dieter Hoeneß.

Der Manager wird sich abstimmen mit Trainer Huub Stevens, der im Sommer bis auf Nené und Luizao den aktuellen Kader vorgefunden hat. Vor seinem Amtsantritt hatte der Niederländer die erste Saison als eine Art Übergangslösung beschrieben. „Man hat ein bestimmtes Bild von einer Mannschaft, zu der man kommt“, sagt Stevens. Dieses Bild verändere sich in dem Maße, in dem man die Spieler besser kennen lerne. Dabei interessiere ihn, wie es um die „menschlichen Qualitäten“ der Spieler bestellt ist und „wer wie in bestimmten Situationen reagiert“, sagt Stevens. „Ich habe natürlich meine Vorstellungen, aber Entscheidungen sind noch nicht gefallen.“

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