Sport : Die Kleinen ganz groß

Nach einer dramatischen Verlängerung gewinnen Japans Fußballerinnen gegen die USA mit 5:3 nach Elfmeterschießen und sind erstmals Fußballweltmeisterinnen

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Der letzte Schrei. Foto: AFP
Der letzte Schrei.Foto: AFP

Diese Fußballweltmeisterschaft der Frauen hat einige Heldinnen hervorgebracht, die letzte aber sollte erst in den allerletzten Minuten gefunden werden: Ayumi Kaihori, die nur 1,70 Meter große Torfrau Japans. Nach einer dramatischen Verlängerung, die mit einem 2:2 endete, hielt sie die Elfmeter der US-Amerikanerinnen Shannon Boxx und Tobin Heath, beim zweiten Elfmeter verbreitete sie offenbar so viel Schrecken, dass Carli Lloyd den Ball über das Tor drosch. Bei den Japanerinnen traf nur Yuki Nagasato nicht, Hope Solo hielt ihren Elfmeter. Am Ende besiegelte Saki Kumagai mit ihrem Treffer zum 5:3 nach Elfmeterschießen die Überraschung dieser WM: Zum ersten Mal in der Geschichte sind Japans Frauen Fußballweltmeisterinnen. Dabei hatte es lange anders ausgesehen.

Die Amerikanerinnen schüttelten ihre Nervosität vor 48 817 Zuschauer im ausverkauften Frankfurter Stadion schneller ab. Die sonst so ballsicheren Japanerinnen hingegen brachten kaum einmal eine Kombination zustande – und hätten sich in den ersten 15 Minuten damit bereits fast um ihre Titelchance gebracht. Die Amerikanerinnen spielten nach jedem Ballgewinn geradlinig und entschlossen in die Spitze und vergaben innerhalb von vier Minuten vier riesige Chancen auf den Führungstreffer: Zuerst spitzelte Lauren Cheney den Ball aus kurzer Distanz haarscharf am Pfosten vorbei, eine Minute später schoss Abby Wambach den Ball über das Tor. Dann war Carli Lloyd an der Reihe, deren Gewaltschuss aus 16 Metern über die Latte rauschte, anschließend hatte auch Megan Rapinoe kein Glück.

Zu diesem Zeitpunkt waren erst zwölf Minuten gespielt – und die im Turnier zuvor so unbeschwert wirkenden Japanerinnen schienen ihre Leichtigkeit zunächst völlig verloren zu haben. Verschwunden waren das flüssige Passspiel und die große Laufbereitschaft, mit denen sie die deutsche Mannschaft im Viertelfinale frustriert und Schweden im Halbfinale auseinander genommen hatten. Es lag allerdings auch an einem taktischen Schachzug der amerikanischen Trainerin Pia Sundhage, dass die USA das Mittelfeld klar beherrschten: Die Schwedin hatte vom ihrem bisherigen 4-4-2-System auf ein 4-5-1 umgestellt und Rapinoe, die ihr zuvor als Joker gedient hatte, von Beginn an die linke Seite anvertraut. Die Japanerinnen versuchten bis zur Pause in erster Linie, das Spiel zu verschleppen. Als Torhüterin Ayumi Kaihori zum wiederholten Mal eine Ewigkeit brauchte, um einen Abstoß auszuführen, pfiffen viele Zuschauer und auch die souveräne deutsche Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus drängte Kaihori zu ein bisschen mehr Eile.

Nach dem Wechsel wurde das Spiel schneller, Japans Torfrau benötigte jeden Zentimeter ihrer Körpergröße, um einen Kopfball vom Wambach über die Latte zu lenken. Kurz darauf war Kaihori aber machtlos: Rapinoe schlug aus der eigenen Hälfte einen langen Pass in den Lauf der eingewechselten Alex Morgan. Der Ball war lange unterwegs, mit jedem Meter, den er in Richtung des japanischen Tors zurücklegte, wurde das Kreischen im Stadion lauter.

Während ihre Gegenspielerin Saki Kumagai nicht recht zu wissen schien, wie sie sich dem Ball nähern sollte, machte die amerikanische Stürmerin alles richtig. Die 22-Jährige mit dem rosa Band im Haar nahm den Ball mit der ersten Ballberührung mit, der zweite Kontakt war ein harter und präziser Linksschuss, der zum 1:0 im Tor einschlug.

Bis neun Minuten vor dem Abpfiff deutete alles daraufhin, dass es das entscheidende Tor gewesen sein könnte. Zu harmlos wirkten die nun zum Mut gezwungenen Japanerinnen, denen vor dem Ausgleich aber der Gegner zur Hilfe kam. Rachel Buehler versuchte im Fünfmeterraum zu klären und schoss dabei ihre Mitspielerin Ali Krieger an, die den Ball Aya Miyama unfreiwillig, aber nichtsdestotrotz perfekt vorlegte. Die Japanerin ließ sich die Chance nicht entgehen und schon den Ball zum 1:1 in Tor. Als Steinhaus die reguläre Spielzeit abpfiff und die Teams in die Verlängerung schickte, erhoben sich die meisten der Zuschauer von ihren Sitzen und applaudierten – sie wollten noch ein bisschen mehr von dieser WM sehen.

Die Japanerinnen schienen sich durch ihr Phlegma der ersten Hälfte noch Kraft aufgespart zu haben und wirkten etwas frischer, die Amerikanerinnen hielten mit dem unbändigen Kampfgeist dagegen, der sie über Brasilien und Frankreich ins Finale gebracht hatte. Die USA erhöhten den Druck, zwei Flanken konnte Japan abwehren, die dritte fand den Kopf von Abby Wambach, die ihren vierten Turniertreffer erzielte. Die Japanerinnen warfen alles nach vorne – und wurden zur Begeisterung des Publikums belohnt: Homare Sawa lenkte drei Minuten vor dem Abpfiff eine Flanke per Fuß ins Tor. In der Nachspielzeit sah die Japanerin Azusa Iwashimizu nach einer Notbremse an der Strafraumgrenze Rot, das macht aber keinen Unterschied mehr, das Elfmeterschießen musste entscheiden. Japans Torhüterin Ayumi Kaihori stellte sich auf die Torlinie.

Die Japanerinnen glichen die Führung der USA zweimal aus. Zum letzten Mal kurz vor Ende der Verlängerung

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