Sport : Die Kölner Haie sind verunsichert, werden aber von den Capitals respektiert

Claus Vetter

In Köln wollte man vor dieser Saison nichts dem Zufall überlassen. Ein kostspieliger Kader wurde zusammengebastelt und mit Lance Nethery ein Trainer geholt, der zuletzt dreimal mit den Mannheimer Adlern Deutscher Meister geworden war. Damit nicht genug, vor wenigen Tagen haben die Haie sogar mit Rick St. Croix - einen ehemaligen Keeper aus der National Hockey League - einen Torwarttrainer verpflichtetet. Die Marschroute für den Verein mit der komfortabelsten Arena und den mit Abstand meisten Zuschauern in der Liga ist klar: Der Titel muss es sein.

Diesen Ansprüchen konnten die Kölner in den ersten Wochen dieser Saison allerdings nicht gerecht werden. Zehn Spiele, fünf Niederlagen - die bisherige Bilanz der Haie ist weit weniger imposant als die der Berlin Capitals. Heute sind die Kölner beim unangefochtenen Tabellenführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu Gast (20 Uhr, Eissporthalle Jafféstraße). Und in Berlin sieht man dem bislang nur selten überzeugenden Gegner keineswegs gelassen entgegen. "Wir müssen aufpassen, dass wir nach dem 2:7 von Essen am letzten Wochenende nicht in ein kleines Loch fallen", sagt Martin Ulrich, "bei der Drei-Punkte-Regelung bist du in der Tabelle schneller wieder unten als du glaubst." Trotzdem, so meint der Verteidiger der Capitals, habe die Niederlage vom Sonntag auch ihr Gutes. "Besser mal mit 2:7 was vor den Kopf kriegen als zum Beispiel 3:4 zu verlieren", sagt Ulrich. Denn so wisse man wenigstens, dass man etwas falsch gemacht habe.

Bei den Eisbären wurde am Dienstag nichts verkehrt gemacht. Nach dem Erfolg bei den Hannover Scorpions ist es nun in Hohenschönhausen wieder etwas ruhiger geworden. Die Diskussionen um Trainer Peter John Lee sind fürs erste verstummt, der Hauptdarsteller selbst kann ihr Zustandekommen immer noch nicht verstehen. "Alles auf meinen Schultern auszutragen, das ist unfair", sagt Lee, "ich habe hier schließlich vor der Saison nicht jede Entscheidung allein gefällt, sondern mit der Vereinsführung zusammen." Zudem glaube er, dass er nach den Erfolgen der letzten beiden Jahre "ein wenig mehr Geduld" von Seiten der Öffentlichkeit verdient habe. Erst wenn offensichtlich werde, dass seine Mannschaft die gesteckten Ziele nicht erreichen könne, dann seien Vorwürfe berechtigt, meint Lee.

Heute treten die Berliner bei den Kassel Huskies an; die Hessen sind nur unwesentlich besser als die Eisbären gestartet. Lee verordnet seinen Schützlingen die gleiche Taktik wie zuletzt bei den Scorpions: "Geduld bewahren und abwarten, denn Kassel steht in der Defensive ähnlich sicher wie Hannover." Und natürlich hofft der Trainer darauf, dass Jaroslav Kames seine gute Leistung vom Dienstag bestätigen kann. Da gelang dem Eisbären-Keeper sein erstes Shut-out, also ein Spiel ohne Gegentor. "Kames hat gezeigt, was in ihm steckt. Ich bin mir sicher, dass er nun richtig in Form kommt", sagt Lee.

Vor der heutige Partie setzt der Trainer, der auf die verletzten Peter Hammarström und Alexander Godynyuk verzichten muss, sich selbst und seine Spieler dann doch unter Druck: "Es reicht nicht, einmal zu gewinnen, sondern wir müssen endlich über mehrere Spiele überzeugen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben