Sport : Die Könige von Fulham

Seit 1997 geht es bei dem Londoner Klub nur nach oben

Benedikt Voigt

Berlin. Um den Redefluss von Jean Tigana war es beim FC Fulham noch nie gut bestellt. Immer noch sind die Englisch-Kenntnisse des französischen Trainers bescheiden. Irgendwann hatte der Klub eine Pressekonferenz anberaumt, bei der Tigana seine Sicht der Dinge schildern sollte. Doch er ließ sich nicht blicken. Zufällig kam der Stürmer Barry Hayles vorbei, sah die wartenden Journalisten – und wunderte sich überhaupt nicht. „Der Trainer redet mit euch nicht?“, sagte der Spieler des FC Fulham, „macht euch nichts draus, mit uns redet er auch nicht.“ Es soll eine Halbzeitansprache gegeben haben, bei der er nur vier Worte an seine Mannschaft richtete. „Play, just play more“. Spielt, spielt einfach mehr.

Doch Tiganas wortkarge, aber sympathische Art ist erfolgreich. Am Wochenende schlug der FC Fulham, der heute in der dritten Runde des Uefa-Cups bei Hertha BSC antritt, den FC Liverpool in der Premier League mit 3:2. „Unser größter Erfolg“, sagte Kotrainer Christian Damiano. Dabei ist die jüngste Bilanz der Londoner ohnehin reich an Erfolgen. Seit 1997 stieg der Klub von der vierten Liga in die höchste Spielklasse auf.

Was einen einfachen Grund hat. Im Mai 1997 kaufte Mohamed al-Fayed den Londoner Fußballverein und steckte seither mindestens 75 Millionen Euro in den Klub. Der ägyptische Millionär kämpft seit Jahren um die britische Staatsbürgerschaft, seit Jahren wird sie ihm verweigert. Al-Fayed genießt in Großbritannien nicht den besten Ruf. Im FC Fulham suchte und fand er ein Mittel, um sich beim Volk beliebter zu machen. „Das Manchester des Südens“, sagte er einmal, wolle er aus dem FC Fulham machen. Der Besitzer des Londoner Nobelkaufhauses Harrods ist auch der Vater von Dodi al-Fayed, der mit Prinzessin Diana bei einem tragischen Autounfall in Paris ums Leben gekommen ist.

Mohamed al-Fayed tritt in Fulham auf wie ein König. Vor Heimspielen zieht er mit zwei Leibwächtern um den Fußballplatz und lässt sich feiern. Die Spiele verfolgt er in einer Loge. Meistens schwebt er mit dem Hubschrauber ein. „Er landet dann auf dem Trainingsplatz“, sagt Karl-Heinz Riedle, der zwischen 1999 und 2001 beim FC Fulham spielte. Für kurze Zeit wurde der deutsche Weltmeister von 1990 beim FC Fulham sogar zum Spielertrainer erkoren. Als Joker erlebte Riedle die Saison 2000/2001, als Fulham die zweite Liga düpierte und souverän aufstieg. Schon damals besaß der Kader Erstliga-Qualitäten. Manchester United bekam das in einem Pokalspiel zu spüren. Der Favorit und Champions-League-Sieger konnte gegen den Zweitligisten in der letzten Minute mehr als glücklich 2:1 gewinnen. Mit 101 Punkten und 90 geschossenen Toren stieg der FC Fulham erstmals in die Premier League auf, und der schweigsame Jean Tigana geriet zum Mythos für die Fans.

In der vergangenen Spielzeit kam Fulham in der Premier League auf Platz 13 und qualifizierte sich über den UI-Cup für den Uefa-Cup. „Die Mannschaft ist nicht mehr zu vergleichen mit derjenigen, mit der ich aufgestiegen bin“, sagt Riedle. Nur die Abwehr um den walisischen Nationalspieler Andy Melville und den Franzosen Alain Goma stammt noch aus Zweitligazeiten. Die bekanntesten Spieler sind der holländische Nationaltorwart Edwin van der Sar und der japanische Nationalspieler Junichi Inamoto. In der Sommerpause zeigte der Klub kurzzeitig sogar Interesse an Stefan Effenberg, der jetzt in Wolfsburg spielt. Für Effenberg hätte sich das Engagement gelohnt. Zu Riedles Zeiten gab es für jeden Spieler neben dem Gehalt auch eine eigene Kreditkarte. Gültig für den Konsumtempel Harrods.

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