Sport : Die Köpfe sind frei

Borussia Dortmund schafft einen 1:0-Sieg in Rostock – und hofft auf einen positiven Effekt

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Von André Görke

Rostock. Matthias Sammer wollte keinen Kaffee. Kein Wasser. Auch kein Bötchen. Matthias Sammer wollte einfach seine Ruhe haben. Die letzten Tage waren stressig. „Der Druck auf die Mannschaft ist immer weiter gestiegen“, sagte der Trainer von Borussia Dortmund. Jetzt, nach dem 1:0-Sieg am Sonnabend bei Hansa Rostock, da „kann ich nicht verhehlen, dass ich sehr erleichtert bin“. Die Niederlage gegen Arsenal London am Mittwoch in der Champions League tat weh. Die Mannschaft habe Schwierigkeiten mit dieser Situation gehabt, sagte Sammer. „Aber der Sieg in Rostock, der soll uns Sicherheit geben. Wir sind körperlich fit, wir werden besser spielen. Wir werden freier im Kopf sein.“ Der schlechte Saisonstart schien für einen Moment vergessen.

Nun war es nicht so, dass Dortmund am Sonnabendnachmittag besonders attraktiven Fußball gezeigte hatte. Dortmund spielte clever, ruhig, nahm mit kleinen Fouls immer wieder das Tempo raus. Nur in den ersten Minuten hatte es echte Probleme gegeben: Rostock war gut ins Spiel gekommen, besser als bei der 1:3-Niederlage gegen Leverkusen vor eineinhalb Wochen. Wenige Sekunden waren erst gespielt, da „hätten wir in Führung gehen müssen“, sagte Rostocks Trainer Armin Veh. Dortmunds Torhüter Jens Lehmann aber lenkte den Schuss von Bachirou Salou zur Ecke.

Die Rostocker schienen das Spiel im Griff zu haben. Der Ball wurde nicht sinnlos nach vorn geprügelt – sondern sauber gespielt. Die Kurzpässe, das Direktspiel – so etwas ist nett anzuschauen. Doch wenn die Abwehr kollektiv einschläft, bringt das alles nichts: Nach einer knappen Viertelstunde konnte Dortmunds Dede von der linken Außenbahn ungestört zum Rostocker Strafraum spazieren, warten, gucken, und dann auf Jan Koller passen. Dortmunds Stürmer schob den Ball dann lässig ins Rostocker Tor. „Ein Tor aus dem Nichts“, sagte Veh.

So richtig begeistert aber sah auch Dortmunds Trainer nicht aus. Die Führung sei okay gewesen, sagte Sammer später, nur das Spiel halt nicht. Vielleicht lag es an den vielen Ausfällenbei den Dortmundern, dass ein Spielfluss nur sehr schwer zustande kam. Spielmacher Tomas Rosicky fiel in Rostock mit Rückenbeschwerden aus, auch Lars Ricken, Otto Addo und Marcio Amoroso waren verletzt. Das sei nicht einfach so zu verkraften, sagte Sammer. Zur Unsicherheit kam die Verkrampfung hinzu.

Förderlich dürfte es da nicht gewesen sein, dass Dortmunds Präsident Gerd Niebaum seinen Spielern mit auf den Weg gab, dass „sie sechs Punkte hinter der Marschroute sind". Als die Unsicherheit zu spüren war und sich einige Spieler versteckten, da griff schließlich Dortmunds Torhüter Jens Lehmann ein. Als Rostocks Jochen Kientz an ihm vorbeilief, da touchierte er den Gegenspieler in seinem Strafraum etwas heftiger. Kientz ging spektakulär zu Boden, die Rostocker Fans pfiffen.

„Das ist normal“, sagte Sammer. Denn: „Nur gute Torhüter werden ausgepfiffen." Schön war die Szene nicht – aber Dortmund endlich wach. „Wir haben uns freigespielt“, sagte Sammer. Auch wenn er immer noch etwas zu bemängeln hatte. „Das Ergebnis muss klarer ausfallen“, sagte Sammer über das Spiel in Rostock.

In der zweiten Halbzeit hatte Hansa Rostock „mit mehr Risiko“ (Veh) gespielt und Dortmund infolgedessen noch mehr Raum zum Spielen gelassen. Zehn Minuten nach der Pause war Jan Koller allein vor Rostocks Torhüter Mathias Schober aufgetaucht. Er drückte den Ball aber neben das Tor. Wenig später scheiterte dann erst Ewerthon, danach Evanilson und schließlich noch einmal Jan Koller. Die Zuschauer lachten hämisch. Den Dortmundern war das egal. Und den Rostockern half die Schadenfreude auch nicht mehr.

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