Sport : Die Konkurrenz weiß es besser

Bjarne Riis und Lance Armstrong raten Jan Ullrich von Coast ab

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Berlin (heit). An guten Ratschlägen mangelte es Jan Ullrich in den zurückliegenden Wochen nicht. Bevor am Mittwoch um 11 Uhr auf einer Pressekonferenz in Essen wohl seine Vertragsunterzeichnung beim deutschen Team Coast bekannt gegeben wird, äußerten sich auch zwei Prominente des ProfiRadsports dazu, was für die Zukunft des 29-jährigen Olympiasiegers das Beste wäre. Zuerst war es sein ehemaliger Kollege beim Team Telekom, Bjarne Riis, der Ullrich von einem Wechsel zu Coast abgeraten hatte. Nun folgte dem enttäuschten Dänen der viermalige Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong mit derselben Meinung. In der Pariser Tageszeitung „Le Figaro“ wurde seine Auffassung wiedergegeben: „Ullrich hätte zum CSC-Team von Riis gehen sollen, und das umsonst. Dänemark hätte Ullrich zur Selbstständigkeit gezwungen, Riis wäre der Garant zur Wiederbelebung seiner Karriere gewesen, der Weg zu Coast ist der falsche.“

Riis hatte laut „Le Figaro“ sein finanzielles Angebot auf zuletzt 1,5 Millionen Euro erhöht, doch Ullrich sei das zu wenig gewesen. Dessen Manager Wolfgang Strohband bestreitet diese Version jedoch: „Es ging und geht Jan nicht vorrangig um das Geld, sondern um die sportliche Perspektive.“

Dass nunmehr der 31-jährige Texaner Armstrong ähnlich wie Riis reagierte, das verwundert Wolfram Lindner nicht. Der Sportliche Leiter von Coast sagt: „Es ist doch ganz klar, dass Riis und Armstrong eine starke Konkurrenz befürchten – aus unterschiedlichen Positionen. Sie wissen doch genau, dass wir mit einem Ullrich in Top-Form und unseren ohnehin schon starken Fahrern im Team vor allem in den Bergen ungemein stark sein werden.“ Andererseits ist er davon überzeugt, dass Coast für Ullrichs Neuanfang genau das richtige Team ist. „Er wird viel Neues erleben, verarbeiten müssen und keinesfalls im alten Trott bleiben können“.

Am Wechsel zu Coast ist kaum noch zu zweifeln. Strohband sagt: „Wenn wir uns einigen, reist Jan am Samstag für zehn Tage ins Coast-Trainingslager Gandia in Südspanien nach.“ Ein Ausflug, der aber eher zum kennen lernen der neuen Mannschaft dienen soll, wie der Manager einräumt. „Jan ist noch nicht so weit, um mit den anderen voll mitfahren zu können. Er wird sich mit Rudy Pevenage gesondert vorbereiten.“ Der Belgier hatte als Sportlicher Leiter bei Telekom kurz vor dem Jahreswechsel gekündigt, weil Ullrich ihn an seiner Seite haben will.

Auch Sylvia Schenk ist zur Pressekonferenz eingeladen. Die Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) dementierte jedoch Gerüchte, wonach Ullrichs bis zum 23. März laufende Sperre wegen Medikamenten-Missbrauchs durch den BDR verkürzt werden soll, um ihm den Start bei Mailand – San Remo am 22. März zu ermöglichen: „Niemand ist mit dieser Bitte an uns herangetreten.“

Ein Saisoneinstieg beim ersten Klassiker der Saison wäre für Ullrich auch sportlich nach seinen zwei Knieoperationen im letzten Jahr unrealistisch. Außerdem müsste Ullrich bis dahin die Profilizenz des Schweizer Verbandes haben, weil er dort seit November seinen Wohnsitz hat.

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