Sport : Die Kontrolleure kamen nicht Abgesagter Dopingtest verärgert Radfahrer

Benedikt Voigt

Athen - Über den Podiumsplätzen im Deutschen Haus hingen die Namensschilder der fünf deutschen Radfahrer, aber ihre Plätze blieben leer. An ihrer Stelle erschien der deutsche Mannschaftsarzt Wilfried Kindermann und erklärte, dass Jan Ullrich, Andreas Klöden, Erik Zabel, Michael Rich und Jens Voigt zu „einer unangemeldeten Blut- und Urinkontrolle“ gerufen worden waren.

Die deutschen Fahrer und Teilnehmer anderer Nationen waren in die Poliklinik des Olympischen Dorfes bestellt worden, dort sollten Kontrolleure des Radsport-Weltverbandes UCI die Proben entnehmen. Die Fahrer warteten über eine Stunde lang vergeblich auf die Durchführung des Tests, der dann ganz abgesagt wurde. Zunächst hieß es, die Kontrolle sei wegen Protesten der italienischen und der niederländischen Mannschaft abgesagt worden, die den Weltverband bei Olympia für nicht zuständig halten.

UCI-Sprecher Enrico Carpani sagte dagegen, dass es „Schwierigkeiten bei der Akkreditierung eines Kontrolleurs“ gegeben habe, dem der Zutritt zum Olympischen Dorf verweigert worden sei. Die UCI hatte als letzter großer Sportverband erst wenige Wochen vor den Olympischen Spielen den Anti-Doping-Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) akzeptiert. Dies war Voraussetzung, um überhaupt an den Olympischen Spielen teilnehmen zu können. „Der Fachverband ist das ganze Jahr für die Kontrollen der Fahrer zuständig. Warum sollten die Olympischen Spiele eine Ausschlusszone sein? Ich kann den Protest gegen die Kontrolle nicht nachvollziehen“, sagte Professor Werner Franke, Dopingexperte von der Universität Heidelberg.

„Das Ganze ist sehr ärgerlich – unser gesamter Zeitplan wurde durcheinander gebracht“, sagte der deutsche Teamchef Mario Kummer. Nach einem späten Frühstück fuhr Kummer den 13,2 Kilometer langen Rundkurs durch die Athener Innenstadt mit dem Motorrad ab, Michael Rich, Jens Voigt und Erik Zabel folgten ihm auf ihren Rädern. Andreas Klöden und Jan Ullrich, der wegen eines leichten Sturzes im Trainingslager auf Kreta heute mit einer Bandage am rechten Bein ins Rennen gehen will, trainierten auf dem Ergometer. Angst vor den erwarteten 40 Grad im Schatten haben die Mitfavoriten Ullrich und Klöden nicht, gerade Ullrich gehört zu den stärksten Fahrern bei extrem hohen Temperaturen. Der wellige Rundkurs muss heute 17-mal gefahren werden.

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