Sport : Die Kraft der einsamen Spitze

Christian Tretbar

Zwei Jahre Probezeit sind für Theo Zwanziger vorbei. Die ungeliebte Doppelspitze mit Gerhard Mayer- Vorfelder ist Geschichte. Jetzt ist er alleiniger DFB-Präsident. Das ist nicht nur für ihn eine Umstellung, sondern auch für den DFB. Denn es wird ein anderer Ton herrschen. Ein leiserer. Zwanziger pflegt einen anderen Stil als sein Vorgänger. Das hat er schon in seinen ersten beiden Jahren bewiesen. Er polarisiert nicht, er moderiert und begleitet. Durchsetzungsvermögen hat er trotzdem. Die auf dem DFB-Bundestag verabschiedete Regionalliga-Reform ist ein Beispiel dafür, aber auch sein Auftreten während des Wettskandals im vergangenen Jahr.

Anders als sein Vorgänger kommt er nicht aus dem Profifußball, sondern aus dem Amateurbereich. Für ihn ist der DFB mehr als die Nationalmannschaft, und Fußball mehr als ein 1:0, wie er immer wieder betont. Er will den Mädchen- und den Schulfußball stärker fördern. Er will die gesellschaftliche Integrationsfähigkeit des Fußballs besser nutzen. Und er will weitere Strukturreformen auf den Weg bringen.

Ein moderner, kalter Reformer ist Zwanziger nicht, aber er fordert seinen Verband heraus, neue Wege zu gehen. Sein Engagement dabei ist groß, die Spannungsfelder zwischen Bundesliga, Nationalmannschaft, Amateur- und Jugendfußball sind es allerdings auch. Deshalb muss er jetzt unter Beweis stellen, wie groß seine Integrationskraft tatsächlich ist. Und der DFB muss zeigen, wie ehrlich das Wahlergebnis von 100 Prozent für die neue Solo-Spitze tatsächlich war.

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