Sport : Die kriminelle Dimension

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Benedikt Voigt über den Eiskunstlauf-Skandal im Sommer

Dies sind nicht die Tage und Temperaturen, um über Eiskunstlaufen zu reden. Aber darum soll es hier auch nicht gehen. Vielmehr darum, dass ein russischer Mafioso eine Entscheidung bei den Olympischen Spielen 2002 gekauft haben soll. Als ob die olympische Bewegung nicht schon genug Probleme hätte: Doping, Kommerzialisierung, korrupte Funktionäre. Nun muss sie sich auch noch mit der Mafia herumschlagen. „Der Versuch der Fremdbestimmung mit kriminellen Mitteln wäre eine neue Dimension“, sagt Thomas Bach, Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), „es kann nur heißen: Wehret den Anfängen.“ Doch kommt der Auftritt des Gangsters wirklich so überraschend?

Bis vor kurzem mischte sich so eine dubiose Gestalt wie der südkoreanische Geheimdienstler Un Yong Kim unter die IOC-Mitglieder. Der ehemalige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch war auch umstritten, er diente unter Franco in Spanien als Sportminister. Erst unter dem aktuellen IOC-Präsidenten Jacques Rogge bemühen sich die Olympier um größere Transparenz, doch eine demokratische Institution ist die olympische Funktionärsriege längst nicht. Das bewiesen die russischen Abgesandten in Salt Lake City, die während der Winterspiele 2002 Verschwörungstheorien und Rückzugsdrohungen verbreiteten. Wer diese Altherrenriege zetern sah, für den wäre eine Verbindung zum organisierten Verbrechen nur die nächste Eskalationsstufe. In der Nachwendezeit gab es in Russland immer wieder Hinweise, dass die Mafia Einfluss auf Spitzensportler und Funktionäre nehme. Nun gibt es einen konkreten Fall. Der Eiskunstlaufskandal von Salt Lake City ist noch nicht beendet. Er fängt gerade erst an.

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