Sport : Die Krise kehrt zurück

Kaiserslautern steckt mal wieder im Abstiegskampf

Oliver Trust

Kaiserslautern - Es gibt nicht viel, was mehr schmerzt als Verachtung. Da stand Kurt Jara und fühlte, wie die Schmährufe an seiner Seele zerrten. Ein Fernsehreporter hielt ihm nach dem 2:3 gegen den VfB Stuttgart ein Mikrofon vors Gesicht, und viele der 37 000 Zuschauer begleiteten den Vorgang mit „Jara raus!“- Rufen. In diesem Moment konnte sich der Trainer aus Österreich noch zusammennehmen. Ein paar Minuten später hatte Jara keine Kraft mehr. „Jetzt können wieder alle schreiben, der Trainer muss weg“, sagte er. „Im Stadion haben sie es ja auch schon gerufen.“ Der Mann, einst Retter des Krisenklubs, konnte die Kritik nicht mehr ertragen. Ein paar trockene Sätze, dann stand er auf und eilte mit festem Schritt davon.

Es war die dritte Niederlage dieser Saison, am dritten Spieltag, und damit der schlechteste Start des 1. FC Kaiserslautern in der Geschichte der Bundesliga. „Wir haben verloren“, sagte Jara. „Und ich übernehme die Verantwortung dafür.“ Nun muss Jara wegen der Länderspielpause zwei Wochen mit der Depression in der Pfalz leben. Zeit genug, um die negative Stimmung weiter anzuheizen. Verzweifelt und vergeblich versuchte Jara, gegen die schnellen Urteile anzukämpfen: „Wir können unser Ziel erreichen, davon bin ich überzeugt.“

Wenn aber die halbe Mannschaft nach dem Spiel in den Zeugenstand treten muss, um den Trainer zu verteidigen, ist das kein gutes Zeichen. „Mein Gott“, stöhnte Jochen Seitz, „der Mann hat den FCK letzte Saison aus dem Sumpf gezogen.“ Jetzt eine Trainerdiskussion zu beginnen halte er für verfrüht und übertrieben.

Immerhin haben sie in Kaiserslautern viel Erfahrung im Umgang mit Krisen. Tapfer versuchen sie deshalb, den Blick nach vorne zu richten. „Wenn Amanatidis, Engelhardt und Grammozis zurückkommen, haben wir wieder mehr Möglichkeiten“, sagte Christian Nerlinger. Die nächsten Spiele aber haben es in sich. Nach der Auswärtspartie in Rostock folgen zwei Heimspiele, gegen den Hamburger SV und – im Pokal – gegen Schalke. Danach könnte es für Kurt Jara schon vorbei sein. Ein Wunschnachfolger scheint auch schon ausgemacht. Mancher in Kaiserslautern spricht bereits über Klaus Toppmöller, den früheren Stürmer des FCK. Der scheint beim HSV nur noch geduldet zu werden.

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