Sport : Die Krisenbewältiger

Bremen lässt sich auch durch Rückschläge nicht beirren

Andreas Morbach

Mönchengladbach. An den Abwanderungsbewegungen ändert sich nichts. Ailton und Krstajic haben sich längst dem FC Schalke angedient, und seit voriger Woche steht fest: Auch Lisztes geht im Sommer. Zudem flirtet Ailtons Sturmpartner Klasnic mit dem Hamburger SV. Und Johan Micoud, der Stratege aus Frankreich mit Vertrag bis 2005, ist über all die Wechselwilligen um sich herum wenig amüsiert. Dabei hatte doch Werder Bremen am Samstag mit dem 2:1-Sieg bei Borussia Mönchengladbach den Vorsprung auf die Konkurrenz ausgebaut.

Und wieder, wie am Dienstag im Pokal in Fürth, gelang der Elf von Thomas Schaaf der Sieg auf den letzten Drücker. Und das wiederum in Unterzahl. In Gladbach fehlte den Norddeutschen ab der 72. Minute Defensivkraft Mladen Krstajic nach einer Gelb-Roten Karte. Doch das konnte Frank Baumann nicht daran hindern, in letzter Minute den dritten Erfolg im dritten Spiel des Jahres zu bewerkstelligen. „Wir haben große Ziele“, sagte der Nationalspieler. „Natürlich wollen wir die Meisterschaft holen. Und natürlich auch den Pokal.“ Das Double ist möglich, seit Samstag mehr denn je.

Die Borussia, unter Trainer Holger Fach bis dahin zu Hause ungeschlagen, war strahlte nur in der ersten Hälfte Verunsicherung aus. Nach der Pause spielte Gladbach sogar leicht überlegen, zudem verdarb der morastige Rasen Bremens Kurzpassfreunden den Spaß an der Arbeit. „Ich lade jeden dazu ein, einmal über den Platz zu gehen“, sagte Trainer Schaaf nach einem Fußmarsch quer über das Spielfeld. Das sei nämlich kein Rasen, sondern „eine Katastrophe“. Weil die Bremer mit Katastrophen aller Art aber gut zu Rande kommen, blicken die Verantwortlichen auch den personellen Veränderungen am Ende der Saison tapfer entgegen. Klaus Allofs, der Sportdirektor, fand den Sieg am Samstag jedenfalls souverän, unter anderem, weil „unsere Mannschaft gelernt hat, nach Rückständen nicht in Panik zu geraten“. Der 0:1-Rückstand durch Sverkos kurz nach der Pause, der Boden, dazu die Gelb-Rote Karte – „es gab viele Situationen, wo man sagt: Das ist nicht unser Tag heute. Aber passiert ist nichts.“ Sie haben einfach weitergespielt – und im schmerzhaftesten Moment zugeschlagen.

Im Spätsommer spielen sie dann womöglich in der Champions League – mit viel neuem Personal. Bochums Frank Fahrenhorst soll Krstajic ersetzen, im Mittelfeld gibt es für Lisztes laut Allofs auch schon eine Lösung. Es ist halt so wie immer: Dem wirtschaftlich mittelmäßig potenten SV Werder werden die besten Leute weggekauft, und die Bremer präsentieren gleich wieder neue Stars. Auch Klasnic bleibt ganz entspannt: „Was später wird, ist Nebensache. Darum kümmern wir uns im Juli und August.“ Jetzt will der Kroate zusammen mit den Kollegen erst einmal „ganz Bremen stolz machen“. Trainer Schaaf tendiert nach den Erlebnissen von Fürth und Gladbach auf dem Weg zum großen Stolz inzwischen gar zu gezielter Schwächung seines Teams: „Wenn’s schlecht läuft, nehmen wir künftig einfach einen raus, dann funktioniert das Ganze.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben