Sport : Die Kritik des Kapitäns irritiert Hertha

Mathias Klappenbach

Berlin - Artur Wichniarek war ungehalten. „Warum soll ich das kommentieren?“, fragte der Stürmer von Hertha BSC gestern nach dem Training. „Ich trainiere wie immer, vor allem die Konzentration beim Torabschluss.“ Die Konzentration des Polen auf das Training ist gestört worden, weil Mannschaftskapitän Arne Friedrich auf seiner Homepage die Hertha-Stürmer kritisiert. „Unser großes Problem ist derzeit die Offensive. Wir spielen uns zwar eine Menge Chancen heraus, aber vorne fehlt uns ein richtiger Knipser, jemand wie Roy Makaay“, ist dort zu lesen. Und: „Die Begegnung in Nürnberg war symptomatisch für die momentane Sturmschwäche. Allein Artur Wichniarek hätte das Spiel in der ersten Halbzeit entscheiden können, aber ihm klebte das Pech an den Stiefeln.“

Auch Manager Dieter Hoeneß und Trainer Falko Götz bemängelten nach vier Unentschieden in vier Spielen die Chancenauswertung. Sie verwiesen aber darauf, dass es „nur an Kleinigkeiten fehlt, damit wir mehr Tore schießen“. Auch deshalb überraschen der Zeitpunkt und die Form der Kritik von Friedrich. „Arne hat die Pflicht, sich zu äußern und Reserven aus der Mannschaft zu locken“, sagt Götz. Gleichzeitig versucht der Trainer aber, die Aussagen des Kapitäns zu relativieren. „Wir sind auch aus dem Mittelfeld gefährlich, und unsere Abwehrspieler können auch treffen. Die Chancenverwertung ist unser Manko.“

Die Aussagen von Friedrich beziehen sich auf die Stürmer, von denen bisher nur Fredi Bobic beim 1:1 gegen Mainz ein Tor erzielt hat. Friedrichs Äußerungen sind die ersten Misstöne aus dem Team nach dem unbefriedigenden Saisonstart, bei dem Hertha nur einen Punkt mehr als zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison geholt hat. Trainer und Manager haben bisher die im Vergleich zum Vorjahr besseren Leistungen in den Vordergrund gestellt. Ein großes Problem der vergangenen Saison war, dass die Mannschaft keine Einheit bildete. „Ich lasse keine Egoismen zu. Wer das versucht, wird schnell merken, dass er damit nicht durchkommt“, sagt Falko Götz. „Jeder hat sich dem Team unterzuordnen.“

Das gilt sicher auch für Friedrich, der nur in den ersten beiden Bundesligaspielen zum Einsatz kam. Wie die anderen langzeitverletzten Spieler wird auch der Kapitän am Sonntag gegen den VfB Stuttgart nicht dabei sein. Wichniarek und die anderen sollen laut Götz in den kommenden Tagen Spaß am Training haben. „Mit Lockerheit lassen sich Abläufe besser automatisieren.“ Dazu gehört das Toreschießen nach Spielzügen, aber auch nach Standardsituationen. Die lässt Götz in dieser Woche besonders üben, weil er mit der bisherigen Ausbeute nach Ecken und Freistößen nicht zufrieden ist.

Das Herausspielen von Chancen ist bisher nicht das Problem von Hertha. Und beim Verwandeln vertraut Falko Götz weiter seinem Angriff. „Wir haben Bobic, Wichniarek und Nando. Diese Namen sprechen für sich.“

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