Sport : Die Kugel kullert ins Tor

Martin Jordan

Das Oberteil des Trainingsanzuges hat sich Jürgen Klinsmann immerhin angezogen. Auf die kurzen Hosen hat er aber verzichtet, denn auf dem Spielfeld im Stadion des mexikanischen Erstliga-Klubs Cruz Azul rennen andere für ihn. Die Spieler einer Jugendmannschaft des gastgebenden Vereins laufen an der Seite des Fußball-Weltmeisters von 1990 zur Hochform auf und lassen ihren Gegnern keine Chance. 3:1 gewinnen die Klinsmann-Boys gegen das gleichaltrige Team der Deutschen Schule von Mexiko Stadt, welches vom ehemaligen mexikanischen Nationalspieler Carlos Hermosillo verstärkt wird.

Das Spiel findet unter merkwürdigen Bedingungen statt. Die Ränge im Stadion sind fast leer, nur wenige junge Anhänger feuern ihre Mannschaften an. Die Erwachsenen tummeln sich am Spielfeldrand, für sie sind drei Zelte mit Sitzen aufgestellt. Eines der Zelte ist für ganz besondere Ehrengäste reserviert. Als diese eintreffen, läuft die Partie der Jugendmannschaften nur noch am Rande weiter. Denn Bundeskanzler Gerhard Schröder und der mexikanische Staatspräsident Vicente Fox verursachen einen Wirbel sondergleichen. Kameraleute und Fotografen stürmen auf das Spielfeld und kämpfen dort um die vermeintlich günstigste Aufnahmeposition.

Die Lage bessert sich erst, als Kanzler Schröder höchstpersönlich dafür sorgt, dass ihm die Medienleute die Sicht auf das Spielfeld nicht mehr versperren. Zum Abschluss seines Mexiko-Besuches gönnte sich Schröder unmittelbar vor der Weiterreise nach Brasilien und Argentinien einen heiteren Ausklang. Sichtlich gut gelaunt unterhielt er sich nach der Partie mit den jungen Fussballspielern und lobte deren Technik, die viel besser sei als seine eigene einst war. Damals, als er noch als Mittelstürmer in der Bezirksklasse kickte. Auch Mexikos Staatschef Fox erklärte in der Diskussion mit den Kindern, dass er in seiner Jugend in einer Liga Fußball gespielt habe.

Die beiden Staatschefs bewiesen schließlich, dass doch noch etwas übrig ist von ihrem früheren fußballerischen Können. Denn beide verwandelten ihren Strafstoß, zu dem sie Jürgen Klinsmann zuvor aufgefordert hatte. Gerhard Schröder hatte allerdings Glück, dass der junge Torwart den Ball noch ins Tor kullern ließ. Die Aktion im Stadion von Cruz Azul war nicht nur beste Werbung für die beiden Regierungschefs sondern auch für den Fußball. Jürgen Klinsmann betonte in einer kurzen Ansprache das völkerverbindende Element des Fußballs. Die große Medienpräsenz sorgte dafür, dass die Botschaft auch entsprechend weit verbreitet wurde.

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