Sport : Die Kuhglocken der Könige

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Von Stefan Liwocha

Sacramento. Vermutlich werden Dirk Nowitzkis Ohren noch in den nächsten Tagen klingeln. Schließlich dauerte der Lärm Minuten. Unten auf dem Court wurde noch gespielt. Doch oben auf den Rängen versuchte das lauteste Publikum der NBA, neue Dezibel-Höhen zu erreichen. Der Mix aus Kuhglocken-Gebimmel und Applaus stimulierte die heimischen Sacramento Kings und entnervte die Dallas Mavericks, die sich wie beim Alm-Abtrieb vorgekommen sein müssen. Raus aus der Halle. Raus aus den Playoffs. Runter ins Tal der Tränen. „Wir haben in dieser Serie einfach nicht unsere Höchstform erreicht“, sagte Routinier Michael Finley nach der 101:114-Niederlage bei den Sacramento Kings, mit der das Schicksal in der Best-of-Seven-Serie (1:4) besiegelt war.

Ende der Vorstellung. Der Vorhang fiel für das wurfstärkste Team der Liga, das nach der regulären Saison noch als „beste Show im Basketball“ („Sports Illustrated“) bezeichnet worden war. Es war die Verteidigung, die versagte. „So kann man in den Play-offs gegen ein Top-Team nicht bestehen“, sagte Spielmacher Nick Van Exel. Bis zuletzt hatte Dallas gehofft, doch der rettende Coup blieb aus, obwohl Dirk Nowitzki mit 32 Punkten und 12 Rebounds seine beste Leistung der Viertelfinalserie zeigte und das Team über weite Strecken anführte.

Eigentlich waren die Play-offs für Dallas bereits am Samstag gelaufen. Da hatten die Mavericks im vierten Spiel einen 14- Punkte-Vorsprung aus der Hand gegeben und am Ende mit 113:115 nach Verlängerung verloren. „Einfach unfassbar“, klagte Nowitzki, der vor dem entscheidenden Heimspiel ein halbstündiges Gespräch mit Coach Don Nelson geführt hatte. Zum weiteren Aufbau musste nun am Montag in Sacramento eine Magnesium- und Vitamin-Infusion herhalten. Weniger ein Zaubertrank als vielmehr ein psychologischer Trick, um die guten Geister der vergangenen Monate zu beschwören. Schließlich hatte der Würzburger eine atemberaubende Saison hingelegt, sich unter den besten zehn Spielern der Liga etabliert und als bester europäischer Werfer aller Zeiten Geschichte geschrieben.

In der ersten Play-off-Runde gegen die Minnesota Timberwolves (3:0) war der Stern des 23-Jährigen weiter gestiegen, gegen Sacramento verlor er auf rätselhafte Weise an Glanz. Der hochgelobte Deutsche hatte Probleme damit, plötzlich von zwei gegnerischen Verteidigern beschattet zu werden. Seine Trefferquote sank, und er verstand es selten, die Mitspieler mit einem geschickten Zuspiel einzusetzen.

„Wir sind nach wie vor unsterblich in Dirk verliebt“, sagte Trainer Don Nelson, „aber jetzt muss er den nächsten Schritt machen, den zum Superstar.“ Das frühe Play-off-Aus hat immerhin einen Vorteil: Nowitzki könnte sich rechtzeitig an beiden Knöcheln operieren lassen, so dass er der deutschen Nationalmannschaft Ende August bei der WM in Indianapolis zur Verfügung steht.

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