Sport : Die Kultur der harten Arbeit

Reden wir mal von Kultur. Fußball-Kultur. Das Wort kommt im Duden nicht vor. Trotzdem ist es Thema. Zum Beispiel in Büchern: "Der Sport ist der Kitt, der in der modernen Gesellschaft alles zusammenhält." (Dieter Bott/Marvin Chlada/Gerd Dembowski: Ball und Birne - Zur Kritik der Fußball-Kultur) Oder in Zeitungen: "Ich verstehe nicht, warum es in den USA keine Fußball-Kultur gibt." (Fifa-Chef Joseph Blatter im Tagesspiegel) Oder in Museen. Wie bitte? In Museen?

Wer eine Reise nach Amsterdam macht, kann Fußball-Kultur besichtigen. Direkt neben einem der modernsten Stadien der Neuzeit, der "Amsterdam Arena", befindet sich die Erinnerungsstube von Ajax Amsterdam. In der glänzen nicht nur Europapokale des niederländischen Vorzeige-Vereins, sondern auch kleine Exponate der modernen Fußball-Welt. In einer Ecke liegt der erste Amateurvertrag von Weltstar Marco van Basten. Neben dem handschriftlich bekritzelten Blatt Papier hängen vergilbte Fotos van Bastens - Schnappschüsse von Dorfsportplätzen. Zum Museum gehört ein Kino, in dem der Werdegang einstiger Ajax-Stars gezeigt wird: Patrick Kluivert, Frank Rijkaard. Karrieren vom Straßenfußball zum Gewinn der Europameisterschaft 1988. Jeder, der das Museum gesehen hat, versteht, was Fußball-Kultur ist: die Kultur der harten Arbeit.

Derzeit ist Ajax Amsterdam erfolglos. In der Meisterschaft ohne Chance, im Uefa-Cup ausgeschieden. Die Glanzzeiten sind vorbei, das moderne Stadion oft halbleer. Nun soll ein neuer Aufbruch gelingen. Mit einem Repräsentanten alter Fußball-Kultur: Ronald Koeman. Der frühere Ajax-Spieler ist seit Montag neuer Vereinstrainer. Der 38-Jährige führte die Niederlande als Abwehrchef zum Europameister-Titel. Koeman ist ein Arbeiter. Als kleiner Junge rackerte er mit seinem Vater auf dem Trainingsplatz. Als Nationalspieler bewunderte er die Deutschen: "Die hören erst auf zu kämpfen, wenn sie im Bus sitzen." Koeman hat erkannt, dass im modernen Fußball hartes Schindern noch belohnt wird. Wenn er das auch seinen Spielern vermitteln kann, ist er genau richtig. Beim alten Kultur-Klub Ajax Amsterdam.

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