Sport : Die längste Serie seit Uli Egen

Die Eisbären feiern den siebten Sieg hintereinander

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé blähte seine Wangen auf. Dann ließ er Luft ab und grinste. In Worte übersetzt hieß die Mimik des Trainers der Eisbären so viel wie: Noch einmal gut gegangen, sehr gut sogar. Erst 3:0, dann 3:3, am Ende 7:3 – der Spielverlauf der Partie der Berliner gegen die Krefeld Pinguine war durchaus kurios. Selbst im Eishockey gibt es so etwas selten. Gerade deswegen zeigte das Spiel im Sportforum am Dienstagabend, dass die Eisbären zurzeit wenig erschüttern kann. Nicht mal ein verspielter Drei-Tore-Vorsprung. Pagé hatte gegen Krefeld „ein Team gesehen, das an den Aufgaben wächst und mit Drucksituationen sehr gut umgehen kann“ – zurzeit wohl besser als fast jede andere Mannschaft in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL): Die Berliner haben sieben Spiele in Folge gewonnen.

Die Dimension der Serie wird dadurch deutlich, dass es eine ganze Weile her ist, dass den Berlinern in einer DEL-Hauptrunde Gleiches gelang: Zwischen dem 19. Dezember 2001 und dem 6. Januar 2002 gewannen die Eisbären zuletzt sieben Punktspiele in Folge – unter Trainer Uli Egen. Der heutige Sportdirektor des EV Duisburg hat mitbekommen, dass die Berliner seinen Rekord heute mit einem Sieg im Heimspiel gegen Mannheim (19 Uhr 30, Sportforum, live auf Premiere) sogar noch überbieten können. „Leider haben die Eisbären mir mit der Einstellung des Rekordes ein historisches Glanzstück meiner Karriere kaputtgemacht“, sagt Egen und lacht. „Rekorde sind da, um gebrochen zu werden, und die Eisbären haben ja eine gute Mannschaft. Da überrascht mich das nicht.“

Nun ist der Aufwärtstrend beim deutschen Meister nicht allein dem Formanstieg einiger Spieler wie des zurzeit herausragenden Verteidigers Derrick Walser zu verdanken. „Unser Lauf hat wohl in unserem großen, sehr gutem Kader seinen Ursprung“, sagt Manager Peter John Lee. Während quantitativ dünner besetzte DEL-Teams wie Krefeld mit nur drei Sturmreihen agieren und zu Beginn der zweiten Hälfte der Hauptrunde mit ihren Kräften schon am Ende scheinen, sind die Eisbären besonders im letzten Spieldrittel stark. Die Berliner können auch die derzeit verletzten erfahrenen Profis Sven Felski, Kelly Fairchild und Rob Leask ersetzen, weil sie auf ihr Oberligateam, die Juniors, zurückgreifen können: Schon 27 Feldspieler haben sie diese Saison eingesetzt. Und da nun mit Norman Martens, Christoph Gawlik und René Kramer drei Spieler – plus Torwart Youri Ziffzer – in den kommenden Tagen bei U20-B-WM engagiert sind, werden noch mehr Spieler eine Chance bekommen.

Der Aufschwung der Berliner begann aber auch im eigenen Tor: Der junge Tscheche Tomas Pöpperle hat in seinen ersten zehn Spielen nur 20 Gegentore kassiert, in den ersten 18 Spielen hatten die Eisbären 62 Tore kassiert. Der neue Berliner Torwart aber wird nicht gern auf seine Leistung angesprochen. „Wir haben ein sehr eifriges junges Team“, sagt Pöpperle, „ich muss noch zulegen. An mir allein liegt es nicht, dass es so gut läuft.“

An wem liegt es denn dann vor allem? „Am guten Manager“, schlägt Manager Lee vor und lacht. „Nein, im Ernst: Wir sollten jetzt vorsichtig bleiben. Wenn du im Erfolg hochnäsig wirst, dann kann das schnell wieder nach unten gehen.“ Stimmt, das musste Uli Egen einst in Berlin erleben. Nach seiner nun eingestellten Siegesserie folgte nämlich eine Niederlagenserie von vier Spielen. Egen musste gehen. Ein Schicksal, das seinem Nachfolger Pierre Pagé kaum bevorsteht: dazu spielen die Berliner zurzeit zu konstant.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben