Sport : Die Last der Südtribüne

Felix Meininghaus

Achtung, Bayern, Borussia Dortmund kommt. Langsam, aber stetig nähert sich der Herausforderer aus Westfalen den Plätzen, auf die er dem eigenen Anspruchsdenken nach gehört. Irgendwo ganz weit oben, so lautete die Losung vor der Saison, soll es sein - anders wären die maximalen finanziellen Anstrengungen auch kaum zu begründen. Mit dem 3:0 im Verfolgerduell gegen den 1. FC Kaiserslautern legten die Dortmunder einen wichtigen Schritt auf dem langen Marsch an die Spitze zurück. Vom Kontrahenten aus der Pfalz übernahmen sie Rang drei, der Meister aus München spürt den Atem des Verfolgers im Nacken, Tabellenführer Leverkusen bleibt in Reichweite. Keine schlechte Ausgangsbasis.

Dabei erfolgte die Rückkehr in Sichtweite des Gipfels leise und unspektakulär. Die jüngsten Siege gegen Cottbus, Stuttgart, 1860 München und im Uefa-Pokal beim FC Kopenhagen waren allesamt nicht eben brillant herausgespielt. Die Partie gegen Kaiseslautern fügte sich nahtlos ein. An der von Trainer Matthias Sammer nach dem müden Kick in Kopenhagen beklagten fehlenden Leidenschaft lag es nicht. Abwehrspieler Christoph Metzelder sah "Leidenschaft, Aggressivität und Willen", und wertete das Spiel "ganz klar als Schritt in die richtige Richtung".

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Die Dortmunder tun sich nun mal schwer, wenn sie genötigt werden, das Spiel zu gestalten. Dabei lief mit Tomas Rosicky die treibende kreative Kraft auf, obwohl der Tscheche nach seiner Oberschenkelzerrung erst zwei Tage vor Spielbeginn wieder erste Trainingsversuche unternommen hatte. Doch auch unter Mithilfe des kleinen Technikers gelang es dem BVB kaum, die von Kaiserslauterns nigerianischem Neuzugang Taribo West gut organisierte Kaiserslauterner Hintermannschaft in Verlegenheit zu bringen.

Vor allem in der ersten Hälfte bewertete Sammer das Spiel seines Teams als "zu kompliziert" und dozierte wie einst Herberger: "Der Ball muss der schnellste Mitspieler sein." Doch gerade im Westfalenstadion scheint die nötige Leichtigkeit des Seins zu fehlen, solchen Erkenntnissen Taten folgen zu lassen. Es ist kein Zufall, dass den vier Heimsiegen in dieser Spielzeit bereits sechs Erfolge in der Fremde gegenüber stehen. Für Sammer ist das eine Frage der Psyche. Die Woge der mächtigen Südtribüne, die die deutsche Nationalmannschaft jüngst zur Energieleistung gegen die Ukraine animierte, könne auch zur Last werden: "Wir sind nicht so befreit und locker, wie es sein könnte. Zur absoluten Klasse fehlt uns noch die innere Ruhe."

Immerhin bringt die Borussia die Geduld auf, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, ein Spiel zu entscheiden. In Kopenhagen erzielte Heiko Herrlich in der Nachspielzeit das Tor des Abends, gegen Kaiserslautern entschieden die Brasilianer Ewerthon und Amoroso (2) die Partie in der letzten Viertelstunden. Als Zugabe improvisierten die Brasilianer, Seite an Seite mit dem ungelenken Riesen Koller, noch ein Tänzchen vor der Haupttribüne.

Dortmunds Manager Michael Meier sieht solche Erfolgserlebnisse weniger euphorisch. Für ihn bedeutet es "ein Stück Normalität, dass wir unsere Heimspiele gewinnen. Jetzt sind wir einen Punkt von den Bayern weg, und an denen müssen wir uns orientieren". Eines hat den nüchternen Zahlenmenschen am Sonntagabend dann aber doch gefreut: "Auf Schalke haben wir jetzt neun Punkte Abstand."

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