Sport : Die Last ist eine Lust

Auf dem Weg zum America’s Cup ist das deutsche Team besonders motiviert

Hartmut Moheit[Kiel]

Ihr Arbeitstag beginnt pünktlich um sieben Uhr, erst 14 Stunden später ist er beendet. „Mit Fitnesstraining am Morgen geht es jedesmal los, später segeln wir von elf bis achtzehn Uhr, und danach wird unsere Yacht an Land geputzt“, beschreibt Alexander Krause sein Leben in Valencia. Es ist das Leben eines Profiseglers, der mit seiner Crew ab dem 18. April 2007 vor der spanischen Küste direkt um das Recht segelt, den America’s-Cup-Verteidiger Alinghi herausfordern zu dürfen. Das allein wäre noch nichts Besonderes, würde es sich dabei nicht um die lang ersehnte Premiere eines deutschen Bootes handeln, der Germany 1 des United Internet Teams. Das allein erklärt bereits den außergewöhnlichen Einsatz, der jedem normalen Arbeitgeber wohl Freudentränen in die Augen treiben würde.

„Aber beim America’s Cup ist eben nichts normal, für mich ist die Teilnahme daran ein Traum, seitdem ich denken kann“, sagt der 24 Jahre alte Berliner. „Segeln ist meine Leidenschaft, ich mache nichts lieber als das, werde dafür auch noch bezahlt.“ So ist die Last für ihn eine Lust, obwohl derzeit völlig offen ist, ob er letztlich auch zur 17 Mann starken Crew um den dänischen Skipper Jesper Bank gehören wird. Was zunächst einmal alle 25 Segler in Valencia antreibt, ist der enorme Nachholbedarf im Vergleich zu den zehn anderen Herausforderern. Die deutsche Kampagne, wie die gesamte Zeit bis zum 32. America’s Cup offiziell genannt wird, begann in der High-Tech- Szene praktisch bei null. Mit einer gebrauchten Yacht, die auch weiterhin im Einsatz ist. Sehr schnell musste der zweimalige Olympiasieger Jesper Bank damit bei den Vorregatten, den so genannten Acts, erkennen, dass gegen die arrivierten Teams Alinghi, BMW Oracle, Luna Rossa oder Emirates Team New Zealand nicht zu bestehen ist. Auch die Perfektion an Bord fehlte. Deshalb gab es im Winter keinen Urlaub. Während sich die Konkurrenten erholten, trainierte das United Internet Team wie besessen – sieben Tage in der Woche.

Die Funktion von Alexander Krause, der sein Talent bereits als Skipper der ehemaligen Illbruck unter Beweis stellte und als Absolvent der United Kingdom Sailing Academy auf der Ilse of Wight seine Dienste professionell weltweit anbieten kann, ist die eines Trimmers. Er ist damit direkt für die Geschwindigkeit und die Balance des Bootes verantwortlich. „Ich richte praktisch die Segel nach den Bedingungen aus. Das ist eine große Herausforderung“, sagt er. Während also Jesper Bank die Yacht steuert, ist der Trimmer für das Gasgeben zuständig. „Damit stehe ich ständig unter der Beobachtung des Skippers, aber das ist ja auch besonders reizvoll“, findet der Berliner und gibt zu: „Natürlich hat mich Jesper auch schon mal so richtig zusammengefaltet, als es nicht gut für uns lief.“

Seit dem vergangenen Montag hat der routinierte Däne ein wenig Angst davor, dass all die Anstrengungen, Auseinandersetzungen und Qualen immer noch nicht ausreichen könnten. Die offizielle Taufe der Germany 1 in Kiel hat bei ihm Vorfreude mit noch größerem Druck vermischt: „Dieses Schiff wird enorm schnell sein, damit wird es wirklich nur noch an uns liegen, ob wir konkurrenzfähig sind.“

Die Acts 10 und 11 im Mai, denen nur noch einer folgen wird, bevor die Bonuspunkte für den Louis Vuitton Cup vergeben werden, werden erneut mit dem alten Boot gesegelt. Das neue soll frühestens im Sommer in Valencia eintreffen. Derzeit liegen Bank und Co. unter elf Crews auf dem neunten Platz. „Wir wollen nach vorn, so etwa auf den fünften oder sechsten Rang“, gibt Jesper Bank vor. Beim nächsten Act wird sich zeigen, was die Vorbereitung wert war. Läuft es nach Wunsch, könnte ein freier Tag pro Woche für die Crew die Folge sein. „Ich glaube, dann miete ich mir ein Boot und fahre trotzdem raus“, sagt Alexander Krause. Seit Monaten kennt er es nicht anders.

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