Sport : Die Leerstelle bleibt unbesetzt

Wie die SCC-Volleyballer einen Wuppertaler Mittelblocker verpflichteten – und ihn trotzdem nicht bekamen

Karsten Doneck

Berlin - Der Transfer war geregelt – bis ins kleinste Detail. Sogar eine Unterkunft hatte Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg dem neuen Mann in Berlin schon besorgt. Dennoch kam der beabsichtigte Blitztransfer des Mittelblockers Artur Augustyn kurz vor Weihnachten nicht zustande. Beim abgebenden Verein, dem SV Bayer Wuppertal, hatte der künftige Lizenzgeber, die „A!B!C Group“, ein Unternehmensberater und Personaldienstleister, in letzter Sekunde sein Veto gegen den Wechsel eingelegt.

„Die wollten keine Ausverkaufsstimmung erzeugen“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand. Die Bayer AG zieht sich am Saisonende als Hauptsponsor für Wuppertals Spitzenvolleyball zurück. Bereits jetzt fehlt nach etlichen Kürzungen der Zuschüsse durch den Leverkusener Chemieriesen immer wieder Geld in den Kassen des Bundesligisten. Insofern kam den Wuppertalern das Angebot des SCC, einen Spieler von der Gehaltsliste zu holen, gar nicht mal so ungelegen.

Die Charlottenburger ihrerseits waren auch in Not – weniger finanziell als vielmehr personell. Mittelblocker Marcus Böhme fällt wegen eines Mittelfußbruchs noch bis weit ins neue Jahr hinein aus. Und da stand kurz vor Weihnachten doch noch das wichtige Pokal-Halbfinale gegen den VfB Friedrichshafen auf dem Programm. Der SCC entschloss sich zu handeln. Er nahm kurzerhand Gespräche mit dem polnischen Nationalspieler Augustyn und dessen Klub Bayer Wuppertal auf. „Wir stehen mit ihm seit längerem in lockerem Kontakt“, sagt Niroomand. Wuppertals Vorstand stimmte dem Transfer zu, ein Aufhebungsvertrag lag innerhalb von nur drei Tagen unterschriftsreif auf dem Tisch. Auch der Zeitplan war fixiert: Augustyn sollte am 19. Dezember beim Europapokalspiel des SCC gegen Marchiol Prvacina (3:1) auf der Tribüne der Sömmeringhalle sitzen, am Tag darauf das Training bei den Charlottenburgern aufnehmen, um dann am 22. Dezember gegen Friedrichshafen seinen Einstand auf dem Feld zu geben. So weit die Theorie.

In der Praxis funkte der künftige Lizenznehmer der Wuppertaler dazwischen. Dessen für Volleyball zuständiger Vertreter erfuhr unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub von dem Transfer – und legte sein Veto ein. Der ausgehandelte Vertrag wanderte zum Altpapier. Die Niederlage am Verhandlungstisch trug der SCC sportlich. „Es gibt deswegen jetzt keinen Krach zwischen Wuppertal und uns. Wir haben seit Jahren ein gutes Verhältnis zueinander, das bleibt auch so“, betont Niroomand. Der SCC wird mit dem vorhandenen Personal die Saison zu Ende bringen. Um Alternativen für Augustyn hatte sich der Verein auch gar nicht bemüht. „Wir wollten nur jemanden nehmen, den wir kennen“, sagt Niroomand.

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