Sport : Die Lehre der Tragödie

Wie Alba Berlin nach Matej Mamics Unfall die Notfallversorgung in der Halle verbessert hat

Benedikt Voigt

Berlin - Vor eineinhalb Wochen erhielt der junge Mann im roten Overall mit der Aufschrift „Notarzt“ seinen ersten ernsthaften Einsatz in der Max-Schmeling-Halle. Zu überschwänglich hatte der Physiotherapeut der Eisbären Bremerhaven den Überraschungssieg bejubelt. „Er spürte plötzlich starke Herzschmerzen“, berichtet Alba Berlins Geschäftsführer Robert Mayer. Prompt musste der Notarzt helfen, er ließ den Physiotherapeuten sofort ins Krankenhaus einliefern. „Er hatte einen leichten Herzinfarkt erlitten“, sagt Mayer.

Es hat sich bereits gelohnt, dass Alba Berlin nach dem dramatischen Unfall von Matej Mamic vom 26. November die Notfallmaßnahmen in der Max-Schmeling-Halle verbessert hat. Heute (19.30 Uhr) im Uleb-Cup-Heimspiel gegen Lukoil Academic Sofia wird zum dritten Mal ein Notarzt mit einer entsprechenden Ausrüstung anwesend sein. „Das ist eine freiwillige Maßnahme des Vereins“, sagt Robert Mayer. Die Empfehlung des Innensenators schreibt bei Sportveranstaltungen erst ab 15 000 Zuschauern einen Notarzt vor. Zu Albas Heimspielen kommen regelmäßig bis zu 8500 Zuschauer. „Wir haben gesehen, dass es sinnvoll ist, einen Notarzt mit Ausrüstung dabei zu haben, falls einem Zuschauer etwas passiert“, sagt Robert Mayer. Zumal Albas Mannschaftsarzt Gerd-Ulrich Schmidt lediglich für die Spieler verantwortlich ist.

Als Matej Mamic im Spiel gegen Trier mit einer starken Rückenmarksprellung und Lähmungen auf dem Parkettboden lag, war kein offizieller Notarzt in der Halle anwesend. Drei zufällig unter den Zuschauern weilende Ärzte erledigten nach dem Mannschaftsarzt die Erstversorgung, danach übernahm ein telefonisch alarmierter Notarzt den Fall. Dominik Diehl, einer der drei zunächst behandelnden Notärzte, sagt: „Es hat an diesem Abend alles ein bisschen gehakt.“ In einem Gespräch mit Alba Berlin haben die drei Helfer den Verein auf Verbesserungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht.

So hatten die Ordner Dominik Diehl und seine Schwester Susanne, ebenfalls eine ausgebildete Notärztin, erst nach Aufforderung des Berliner Mannschaftsarztes aufs Spielfeld gelassen. Im Sanitätsraum der Halle hat sich herausgestellt, dass eine vollständige Notarztausrüstung fehlte. Jene Dinge aber, die für die Versorgung Mamics wichtig waren, waren glücklicherweise vorhanden. „Die Behandlung durch die Notärzte vor Ort war richtig“, sagt Andreas Niedeggen, Leiter des Rückenmarkszentrum in Marzahn, in dem Mamic gegenwärtig große Fortschritte macht.

Auch wunderten sich einige Zuschauer, dass der bereits nach 22 Minuten alarmierte Rettungshubschrauber erst rund 100 Minuten nach dem Unfall vor der Halle abhob. Als eine Nachrichtenagentur meldete, Mamic liege im Krankenhaus, befand sich dieser immer noch im Sanitätsraum der Halle. „Ein Patient mit Rückenmarksverletzung muss wie ein rohes Ei behandelt werden“, sagt Walter Schaffartzik. Der Ärztliche Leiter der Unfallklinik Marzahn vermutet, dass der komplizierte Transport und die schwierige Nachtlandung für die Verzögerung verantwortlich gewesen sein könnten. Er sagt aber auch: „Es ist an diesem Abend alles sehr gut gelaufen.“

Dennoch hat Alba bereits drei Tage nach dem Unfall im Uleb-Cup-Spiel gegen Bree erstmals einen Notarzt in die Halle geordert. Eine Entscheidung, für die mindestens Bremerhavens Physiotherapeut dankbar sein dürfte.

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