Sport : Die Lehre des Geldes

Benedikt Voigt begrüßt den Ausstieg der Telekom aus dem Radsport

Benedikt Voigt

Es ist nicht so, als ob das Team T-Mobile nicht versucht hätte, seinen Radsportlern beizubringen, dass das Doping in ihrer Sportart bekämpft werden muss. Zum Beispiel 2006, als der dopingverdächtige Jan Ullrich unmittelbar vor der Tour de France suspendiert wurde. Es folgte ein engagierter Anti-Doping-Kurs, unter dem neuen Teamchef Bob Stapleton mussten neue Radprofis Ehrenerklärungen und Blutprofile abgeben, erwischten Dopingsündern drohte die Rückzahlung des Jahresgehalts – und was hat es T-Mobile eingebracht? Den geständigen Dopingsünder Patrik Sinkewitz. Gestern hat die Telekom kapituliert und das Sponsoring im Radsport beendet. Eine richtige Entscheidung, denn kurioserweise könnte sie sich jetzt als einzig effektive Anti-Doping-Maßnahme erweisen.

Denn die Botschaft dieser Entscheidung lautet: Doping gefährdet die Existenz des Profiradsports. Dopingverseuchter Radsport findet keine Geldgeber mehr. Diese Sprache dürfte von den Radprofis eher verstanden werden als die symbolische Abgabe von Ehrenerklärungen. Selbst Razzien bei der Tour de France haben ja offenbar die Mentalität nicht ändern können.

Eine erste Warnung, dass Doping ihre Existenz bedrohte, haben zumindest die deutschen Profis während der vergangenen Tour de France erhalten. Als ARD und ZDF aus der Live-Berichterstattung ausgestiegen sind. Leider entblödete sich Sat 1 damals nicht, die freigewordenen Rechte einfach zu übernehmen. Genau das darf jetzt nicht geschehen. Für die Telekom dürfen jetzt nicht Sponsoren einspringen, die sich mit ähnlichen Summen engagieren. Das Doping-Desaster der letzten Jahre muss sich auf den Gehaltsabrechnungen der Radprofis widerspiegeln. Dann lernen sie auch.

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