Sport : Die letzte Etappe

Marco Pantani wird in Cesenatico beigesetzt

Vincenzo Delle Donne

Cesenatico. So öffentlich Marco Pantanis Karriere war, so privat war der letzte Weg des am Sonntag verstorbenen Radprofis. Marco Pantani wurde am Mittwoch in seiner Heimatstadt Cesenatico im engsten Familienkreis beigesetzt. „Möge er seine wichtigste Etappe gewinnen - den Einzug ins Paradies“, sagte Bischof Antonio Lanfranchi. Vor der Beisetzung waren Zehntausende am Sarg vorbeigezogen, der mit Pantanis gelben und rosafarbenen Siegertrikots geschmückt war.

Der Tod des 34-jährigen Radsportprofis könnte durch eine Überdosis Kokain verursacht worden sein. Das weiße Pulver, das die Polizei von Rimini in Pantanis Apartment im Hotel „Le Rose“ beschlagnahmte, wurde inzwischen eindeutig als Kokain identifiziert. Überraschend ist allerdings nur die geringe Menge. Die Ermittlungsbehörden suchen nun nach einem „distinguierten Herren“, einem Drogendealer, der Pantani kurz vor seinem Tod in seinem Hotel aufgesucht hatte. Die Ermittler gehen davon, dass er Pantani das tödliche Kokain geliefert hat. Pantani selbst soll insgesamt 20 000 Euro bei sich gehabt haben, von denen jetzt jede Spur fehlen. Die Ermittler gehen davon aus, dass er damit den Drogendealer bezahlt hat.

Die drei Stunden währende Autopsie brachte keine definitive Klärung. Der Gerichtsmediziner Giuseppe Fortuni kam lediglich zum vagen Schluss, dass Pantanis Herzstillstand die Folge eines Gehirnödems gewesen sei. Das Gewebe der Gehirnzellen hätte aufgrund eines Traumas eine Gewebewassersucht entwickelt. Doch die Ursache für das Trauma konnte bislang noch nicht festgestellt werden. Einerseits könnte es durch die Einnahme einer Überdosis Kokain verursacht worden sein. Andererseits könnte sich Pantani selbst einen tödlichen Cocktail aus Tabletten und Kokain gemixt haben, dessen Wirkung durch Alkohol noch verheerender wurde. Auch der Selbstmord wird nicht ausgeschlossen.

Umfangreiche toxikologische Gutachten werden in den nächsten Wochen diese verschiedenen Untersuchungshypothesen klären. Unterdessen werden immer mehr Mosaikstücke des Leidens Pantanis bekannt, aus denen sich sein Weg rekonstruieren lässt. Er war hoffnungslos der Kokainsucht verfallen und ließ sich nicht helfen, nicht einmal von seinen engsten Freunden. Um ihn vor sich selbst und seiner Drogensucht schützen, veranstalteten sie sogar eine Kollekte, um die Dealer von Rimini und Umgebung dafür zu bezahlen, dass sie Pantani kein Kokain mehr lieferten. Das gab der Journalist und Pantani-Freund Mario Pugliese jetzt bekannt.

Pantani selbst soll kein Zugriff mehr auf sein Vermögen gehabt haben. Sein Vater Ferdinando, dem er die Vollmacht übertragen hatte, verwaltete es für ihn. Pantani erhielt regelmäßig einen bestimmten Betrag zum Leben. Verschiedene Drogenentwöhnungskuren hatte Pantani vorzeitig abgebrochen. Wenn er etwas nicht wollte, konnte man ihn schlecht vom Gegenteil überzeugen.

Pantani war zuletzt ein Schatten seiner selbst, verursacht durch seine Depression, aber auch seine Kokainsucht. Er verkraftete nicht, dass er von 1999 an vom strahlen Radsportstar, der in die Fußstapfen des legendären Fausto Coppi getreten war, zum größten Dopingsünder des italienischen Radsports abgestempelt wurde. Allein sieben Verfahren wegen Dopings musste Pantani über sich ergehen lassen. Durch seinen plötzlichen Tod steigt Pantani nun zum Mythos auf und erreicht auch in dieser Hinsicht sein Idol Coppi, dessen früher Tod ebenfalls viele Rätsel aufgibt.

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