Sport : Die letzte Herausforderung

JOSEF SCHLEMMER

NÜRNBERG .Der Mann wird am 12.März 37 Jahre alt.Ähnlich betagte Fußballprofis sind längst keine mehr, Ausnahmeerscheinungen wie der nimmermüde Lothar Matthäus bestätigen nur die Regel.Doch selbst der denkt immer häufiger über das Leben nach der Karriere nach.

Andreas Köpke dagegen beginnt noch mal von vorn.Am Sonnabend steht der Torhüter wieder für den 1.FC Nürnberg auf der Linie.Es ist nach drei Jahren in Marseille sein erster Auftritt in der Bundesliga, der insgesamt 331.Fast fünf Jahre ist es her, da er letztmalig das "Club"-Trikot überstreifte.Köpke freut sich auf "eine große Herausforderung".Es wird seine letzte sein.

Daß der Tabellensiebzehnte das "Unternehmen Klassenerhalt" ausgerechnet in die Hände von Andreas Köpke legt, erscheint für den Betrachter außerhalb Nürnbergs mutig bis wahnsinnig.Schließlich hatte der Club immerhin einen schweizerischen Nationaltorhüter im Kader, und dieser Andreas Hilfiker war noch einer der Bersten im Team.Obendrein ist ausgerechnet der neue Hoffnungsträger noch nahezu mit jeder Mannschaft in seiner Karriere einmal abgestiegen.

Das ging schon 1984 los, als Köpke sich mit dem SC Charlottenburg aus der Zweiten Liga verabschieden mußte.Und sich selbst Richtung Hertha BSC.Dort ereilte ihn zwei Jahre später das gleiche Schicksal, Köpke wechselte nach Nürnberg.Auch für den Club war sein letzter Einsatz 1994 gleichermaßen Abstiegs- wie Abschiedsspiel, und ein Transfer nach Frankfurt die Konsequenz.Als 1986 schließich auch die Eintracht in die Zweitklassigkeit abrutschte, ging Köpke außer Landes nach Marseille.

Nirgendwo besser als in Nürnberg freilich wissen sie, wie sehr nackte Fakten täuschen können.Niemand im Frankenland käme auf die Idee, dem Idol den vorübergehenden Niedergang anzulasten.Im Gegenteil.Noch immer huldigen die Fans Frankens ihrem "Andi-wink-a-mol", dessen Reaktionen und Paraden sie seinerzeit sieben Jahre ununterbrochene Bundesligazugehörigkeit verdankten.Auch anderswo wurde der 59malige Nationaltorhüter stets von Sonderapplaus verabschiedet und trotz des sportlichen Konkurses entlastet.

Nur folgerichtig, daß der Europameister von 1996 den Club als seine "sportliche Heimat" betachtet, nie hat er den Kontakt nach Nürnberg abbrechen lassen.Schließlich stammt seine Ehefrau Birgit aus Nürnberg, den Familienstammsitz im nahegelegenen Fischbach, seit 1994 vermietet, wird im Sommer wieder von den Köpkes vereinnahmt.Bis dahin hat sich der Hausherr, der vorübergehend bei den Schwiegereltern untergekommen war, eine Behausung im Stadtteil Schniegling angemietet.Frau Birgit und die Kinder Pascal und Carolin bleiben bis Ende des Schuljahres in Marseille."Gott sei Dank sind jetzt Ferien", sagt Köpke, der im ersten Spiel am Sonnabend gegen Werder Bremen seine Lieben in der Nähe weiß.Tochter Carolin ist "mein "Glücksbringer".

Glück und viel Geschick wird er benötigen, um seinen fünften Abstieg mit dem derzeitigen Tabellensiebzehnten zu vermeiden.Um nicht als meistabgestiegenes Idol Deutschlands in die Geschichtsbücher einzugehen.Sollte es dennoch so kommen, würde er den Club in die Zweitklassigkeit begleiten: "Mein Vertrag gilt auch für die Zweite Liga", betont Köpke, der sich bis 2001 in Nürnberg als Aktiver verdingt hat.Eine Option sieht eine einjährige Anschlußtätigkeit in der Vereinsführung vor."Was das sein wird", so Köpke, "ist noch nicht konkret besprochen".Das Spektrum reicht vom Torwarttrainer bis zum Sport-Direktor à la Rudi Völler in Leverkusen.

Also doch.Auch Andreas Köpke sorgt vor für das Leben nach dem aktiven Fußball.

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