Sport : Die letzten Ossis

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Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 9. August. Anhand von zehn Fragen stellen wir bis dahin alle 18 Vereine vor.

Wer hat das Sagen? Der Boss bei Energie Cottbus ist Präsident Dieter Krein. Er ist nicht der klassische Repräsentant wie viele seiner Kollegen in der Liga. Krein klopft derbe Sprüche. Und wenn ihm etwas nicht passt, dann vergreift er sich auch schon mal im Ton. Neben Präsident Krein ist Manager Klaus Stabach der wichtigste Mann im Klub. Zusammen mit Trainer Eduard Geyer bilden die drei ein charismatisches Team.

Was ist das Besondere? Energie Cottbus ist der einzige Ostklub der Bundesliga. Hansa Rostock hat sich von diesem Image gelöst, wirkt eher nüchtern-norddeutsch. In Cottbus ist das Stadion baufällig, marode der Kabinentrakt. Aber der Klub müht sich. Vor allem sportlich. Cottbus geht in sein drittes Bundesliga-Jahr. Trainer Eduard Geyer sagt, dass es schwieriger werden wird in der kommenden Saison. „Zwei Jahre wurde Energie nur belächelt“, sagt Geyer. „Jetzt nimmt uns jeder ernst.“

Was hat sich verbessert? Energie versucht neue, modernere Strukturen zu schaffen. Das Stadion wird teilsaniert und ausgebaut. Auch Geyers Kader nimmt langsam bundesligataugliche Konturen an: Cottbus hat gut eingekauft, die Mannschaft ist stärker geworden und ausgeglichener. Vor allem in der Defensive hat Manager Stabach gute Arbeit geleistet: Er hat Manndecker Rayk Schröder aus Rostock zurückgeholt. Und das immerhin ablösefrei.

Wie sicher ist der Trainer? Eduard Geyer kann sich nur selbst entlassen. Sein Posten ist absolut sicher – Geyer ist der dienstälteste Trainer der Liga. Zwischen den Machern in Cottbus ist so etwas wie eine Männerfreundschaft entstanden. Das könnte zum Problem werden, wenn sich der Klub sportlich und finanziell in der Bundesliga etablieren will. Geyer hat Energie 1997 in die Zweite Liga geführt, zwei Jahre später in die Bundesliga. „Der nächste Schritt wäre ein internationaler Platz“, sagte Präsident Krein vor kurzem. Ein Spaß, natürlich. Die Menschen in der Lausitz wissen, wie viel sie Geyer zu verdanken haben. Aber viel mehr als den Klassenerhalt kann Energie nicht erreichen. Nicht mit den jetzigen Strukturen.

Wie passen die Neuen? Wenn Cottbus spielt, müssen die Fans leiden: 60 Gegentore hat Energie in der vergangenen Saison kassiert und nur einen Auswärtssieg erzielt. Energie hat nun für den Sturm Andrzej Juskowiak für 350 000 Euro aus Wolfsburg geholt. Er ist kein schlechter Mann, spielt aber eher unbeständig. Ein anderer, Markus Feldhoff, steht zwar seit der Winterpause in Cottbus unter Vertrag, die längste Zeit aber verbrachte er verletzt auf der Tribüne. Er ist ein ähnlicher Spielertyp wie Juskowiak. Für Robert Vagner und Zsolt Löw hat Cottbus 800 000 Euro an Dosza Ujpest gezahlt. Vagner, ein Mittelfeldspieler, ist verletzt, Löw dagegen hat Geyer auf der linken Außenbahn beeindruckt. Marcel Rozgonyi konnte bei Schalke kein Spiel machen und ist nicht einzuschätzen. Für den Abwehrspieler hat Energie 150 000 Euro überwiesen. Marco Gebhardt kommt als Ergänzungsspieler aus Frankfurt. Der beste neue Mann ist Rayk Schröder. In Rostock war er Stammspieler, die Integration ist kein Problem. Sein alter Kumpel Christian Beeck ist in Cottbus Mannschaftskapitän.

Welche Taktik ist zu erwarten? Trainer Geyer spielt konservativ: 4-4-2 mit einem Libero. Im Tor könnte sich ein Zweikampf zwischen Ersatzkeeper André Lenz und Tomislav Piplica andeuten. Piplica wird von Geyer favorisiert, er ist Publikumsliebling. Juskowiak und Topic sind im Sturm gesetzt. Und Sebök hat das Rennen um den Liberoposten wohl verloren. Die Besprechung vor einem Testspiel hat er verschlafen. So etwas kann passieren. Nur bitte nicht bei Geyer.

Wer sind die Stars? Vasile Miriuta ist der Star in Cottbus. Der Spielmacher wollte im Frühjahr zu „99 Prozent weg“, blieb aber. Mit Radoslav Kaluzny hat Energie einen polnischen Nationalspieler, der bei der Weltmeisterschaft in Asien zum Einsatz kam.

Wie wird der Mangel verwaltet? Ein schlimmes Thema in Cottbus: Statt mit einem gecharterten Flieger von einem kleinen Flughafen vor der Stadt, fährt die Mannschaft nun mit dem Bus nach Berlin und nimmt einen Linienflug. Der Etat wurde um 2,5 Millionen heruntergeschraubt. 35 000 Euro hat Cottbus für das Trainingslager bezahlt – eigentlich akzeptabel für 40 Mann. Doch Geyer hat angekündigt, im nächsten Jahr vielleicht doch lieber zelten zu gehen. Neun Millionen Euro plant der Verein an TV-Geldern ein. Das sind etwa zwei Millionen weniger als vorherige Saison. Das Loch kann aber größer werden: 25 Prozent der Gelder werden abhängig vom Tabellenplatz gemacht. In der vergangenen Saison profitierte Energie da vom guten Saisonstart, als Cottbus sogar auf dem vierten Platz lag. Der Shuttleservice vom Parkplatz zum Stadion wird abgeschafft. Energie spart pro Heimspiel etwa 5000 Euro. Auch das Stadionprogramm wird dünner. Und die Prämien der Profis sollen auch gekürzt werden.

Was gibt das Stadion her? Die Stimmung wird nachlassen, da die Gegentribüne umgebaut wird. Die Fans blicken auf Sandberge. Ohnehin dürfen derzeit nur 15 000 Zuschauer ins Stadion der Freundschaft. In einem Jahr soll die Tribüne fertig sein, dann passen 25 000 Zuschauer in die sanierte Arena. Besonders komfortabel wird es dann aber immer noch nicht sein. Geld kann Energie mit diesem Stadion nicht verdienen.

Wie sind die Fans? Die Anhänger von Energie Cottbus sind wie Trainer Eduard Geyer: ohne Schnörkel. Ähnlich wie die Fans von Hansa Rostock kämpfen auch die Fans in Cottbus gegen ihr negatives, rechtslastiges Image an. Inzwischen hat sich die Stimmung im Stadion der Freundschaft aber sehr gebessert. André Görke

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