Sport : Die Liebe zum K.o.

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An diesem lauen Frühsommerabend passt einfach alles für den FC Schalke 04: Manuel Neuer verabschiedet sich gebührend nach 20 Jahren im Verein, für Star Raúl ist es der erste Pokalsieg überhaupt in seiner langen Karriere und für den Klub der erste Titel seit 2002, als er ebenfalls den Pokal gewonnen hatte. Es fühlt sich an wie eine Massage für die Seele der Schalker, die so viel zu ertragen hatte in den vergangenen Jahren.

Allein diese Saison hätte Schalker Buddhisten aus dem inneren Gleichgewicht bringen können: Von Eitelkeiten und Narzissmus getriebene Machtkämpfe in der Führung, Magath gegen Funktionäre, Fans gegen Magath, Magath gegen alle. Trotzdem der Einzug ins Viertelfinale der Champions League und das Pokalfinale. Und ausgerechnet dann der Trainerwechsel. Nach einem 2:1-Sieg! gegen Eintracht Frankfurt. Das passte ins Bild.

Wenn die Schalker diese Spielzeit irgendwann in den nächsten Tagen noch einmal Revue passieren lassen, dann fällt ihnen wohl vor allem diese Differenz auf: Platz 14 in der Bundesliga stehen große Erfolge in den Wettbewerben mit K.o-Modus gegenüber. Das wahre Gesicht dieser Mannschaft hat sich in diesen so unterschiedlichen Leistungen gezeigt. Positiv kann man sicher den abgeklärten Umgang mit hohem Druck anmerken, die fantastischen Leistungen gegen Inter Mailand im Champions-League-Viertelfinale und den DFB-Pokal-Halbfinalsieg über Bayern München. Und eben jetzt eine fulminante Vorstellung im Endspiel.

Aber Platz 14 in der Liga? Für eine Mannschaft um internationale Stars wie Raúl, Neuer, Farfan oder Huntelaar? An ihren Fähigkeiten kann es nicht gelegen haben, dass sie Gladbach und Kaiserslautern nicht zu schlagen wussten. Die Mannschaft hat Motivationsprobleme und wohl ein Charakterproblem. Darum wird Trainer Ralf Rangnick sich kümmern müssen. In der neuen Saison.

Jetzt heißt es erst einmal feiern. Und Seelenmassage.

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