Sport : Die Liebe zum Risiko

Claus Vetter

erklärt die Philosophie des neuen Eishockey-Bundestrainers Eigentlich wird von Greg Poss nicht viel erwartet. Irgendwie mitspielen soll er mit seiner Mannschaft, der neue Eishockey-Bundestrainer. Von internationalen Titeln oder Medaillen redet im deutschen Eishockey ohnehin niemand. Das geht eben nicht, wenn man gegen Nationen antreten muss, in denen Eishockey anders als hierzulande Volkssport ist. Poss’ Vorgänger Hans Zach hat in der Vergangenheit ganz gut mit dieser niedrigen Erwartungshaltung gelebt. Jedenfalls bis zur WM im vergangenen Frühjahr. Da wollte Zach das Verpassen des Viertelfinales als Erfolg anpreisen – doch das gelang selbst dem brillanten Verkäufer aus Tölz nicht. Im Gram trat er zurück.

Greg Poss hat eine andere Philosophie. In der Karriere des 39-Jährigen hat bislang fast alles geklappt. Er ist als lauter Motivationskünstler bekannt, den seine Kollegen eher achten als schätzen. Doch die geringe Wertschätzung anderer Trainer kann ihm egal sein. Poss will mit der Nationalmannschaft mehr erreichen, als mit seiner Mannschaft spätestens im Viertelfinale als tragischer Verlierer das Eis zu verlassen. „Wir wollen uns steigern“, sagt Poss. Hans Zach wollte sicher auch mehr erreichen als ein WM-Viertelfinale. Aber er hatte stets ein Sicherheitsnetz ausgelegt. Mal war seine Mannschaft nicht gut genug, ein anderes Mal war er auch einfach nur stolz darauf, so weit gekommen zu sein. Poss hat kein Sicherheitsnetz, das unterscheidet ihn von Zach. Der neue Bundestrainer will Erfolg. Und er nimmt das Risiko in Kauf, dass er am Ende als der große Verlierer dastehen könnte.

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