Sport : Die Liebenswürdigen

In 18 Tagen durch die Liga (10) – wie die Bundesligisten aufgestellt sind. Heute: VfL Bochum

Richard Leipold

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? Ein Jahrzehnt lang hat Präsident Werner Altegoer die Richtlinien beim VfL Bochum allein bestimmt. Inzwischen ist der Unternehmer in den Aufsichtsrat gewechselt. Zum ersten Mal arbeitet ein professioneller Vorstand unter Altegoer, der offenbar nichts von seiner Macht eingebüßt hat. Kaum ein Aufsichtsratsvorsitzender übt soviel Einfluss auf das Tagesgeschäft aus wie Altegoer. Mitarbeiter, die als besonders loyal gelten wollen, nennen ihn „Boss“. Zu diesen Günstlingen zählt auch Trainer Peter Neururer. Der Fußball-Lehrer schmeichelt seinem Chef bei jeder Gelegenheit. „Entscheidend ist, dass Herr Altegoer dem Verein weiter so vorsteht wie bisher, auch wenn der Titel jetzt anders lautet“, sagt Neururer.

Was ist das Besondere? Der VfL stand lange in dem Ruf, nicht absteigen zu können. Menschen, die es mit der Sprache nicht so genau nehmen, verliehen dem Verein den Beinamen „die Unabsteigbaren“. Doch diese Zeiten sind vorbei. Dennoch ist der VfL der einzige Ruhrgebietsklub, der sich im Umkreis der Fußballkonzerne aus Dortmund und Schalke über Jahrzehnte behauptet hat – als biederer, aber doch liebenswürdiger Gegenentwurf.

Was hat sich verbessert? Wer sich die Kühnheit des Trainers zu Eigen macht, der mag hoffen, dass das Aufgebot „auch ohne Thomas Christiansen und Sebastian Schindzielorz besser geworden ist“. In der Realität dürfte es dem VfL schwer fallen, sich nach der starken Saison nochmals zu steigern.

Wie sicher ist der Trainer? In all den Jahren durfte sich Peter Neururer nirgendwo sicher fühlen – oder nur ganz kurz. Beim VfL Bochum ist es anders. Neururer passt zu diesem Verein so gut wie kein Übungsleiter seit Heinz Höher, der einst sieben Jahre blieb. So sehr wie Boss Altegoer habe ihm noch nie ein Vorgesetzter vertraut, sagt Neururer. „Den würden auch sechs, sieben Niederlagen in Serie nicht umwerfen.“ Die Probe aufs Exempel sollte er lieber nicht machen. Sonst scheitert diese Beziehung am Ende noch wie all die anderen in Neururers bewegter Vergangenheit als Trainer.

Wie passen die Neuen? Da Torschützenkönig Thomas Christiansen den VfL verlassen hat, haben die Bochumer Schnäppchenjäger eine Ausnahme gemacht. Für den Stürmer Peter Madsen, der zuletzt in Wolfsburg nicht weiter auffiel, bezahlten sie eine Ablösesumme – angeblich 800 000 Euro. Neben dem Dänen könnte Mamadou Diabang stürmen, der in der vergangenen Saison zehn Treffer für Bielefeld erzielte. In Philipp Bönig, der aus Duisburg kam, hofft der Trainer, den richtigen Mann für die Schwachstelle auf der linken Außenposition der Viererkette gefunden zu haben. Im Mittelfeld könnte der polnische Nationalspieler Thomas Zdebel Regisseur Dariusz Wosz entlasten.

Wie wird gespielt? Neururer dürfte am 4-3-3-System festhalten, mit dem der VfL zur torgefährlichsten Bundesligamannschaft nach dem FC Bayern avancierte. Die Bochumer wären jedoch gut beraten, vor lauter Angriffslust die Abwehr nicht so zu vernachlässigen wie in der vergangenen Saison.

Wer sind die Stars? Lange war Dariusz Wosz der einzige Star. Sein Statussymbol ist nicht nur die Kapitänsbinde. Grundsätzlich darf kein Angestellter des VfL mehr Geld verdienen als der Mittelfeldstratege. Insofern haben die Verantwortlichen Mut gezeigt, als sie im Winter Sunday Oliseh verpflichteten, der schon für Ajax Amsterdam, Juventus Turin und Borussia Dortmund gekickt hat. Außenstürmer Paul Freier schickt sich an, als Nationalspieler der Dritte im Bunde der Bochumer Stars zu werden. Der jugendliche Held der Mannschaft scheint stark und still genug, um neben Wosz und Oliseh zu bestehen.

Was gibt das Stadion her? Das Ruhrstadion ist klein, aber fein, das Fassungsvermögen von gut 30 000 Zuschauern erweist sich nur gegen Schalke, Dortmund und Bayern als zu gering. Die betuchten Besucher erwartet künftig mehr Komfort. Vom zweiten Heimspiel an bietet das neue Stadioncenter mehr als 600 Edelfans Speis und Trank in gediegenem Ambiente. Der architektonische Clou des Neubaus ist eine gläserne Brücke, die von den VIP-Gemächern auf die Haupttribüne führt.

Wie sind die Fans? Obwohl die treuen Bochumer Fans Kummer gewohnt sind, bleiben viele dem Verein treu. Rund 6000 verkaufte Dauerkarten sind wenig im Vergleich zum Absatz der Nachbarn Dortmund und Schalke, aber viel für einen Verein wie Bochum. Wenn die Mannschaft über längere Zeit nicht hält, was Neururer verspricht, finden sich am Zaun zuweilen Transparente mit Sprüchen wie: „Peter ist Labern, Siegen ist Gold“.

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