Sport : Die Liga verspielt ihre Fans

In Nordamerika schwindet das Interesse an der Eishockeyliga NHL – ihr Image leidet unter dem Tarifstreit.

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Ungewohnt statisch. Sidney Crosby beim Training mit einem leicht zu umlaufenden Gegenspieler. Der NHL-Star hat an den Verhandlungen mit den Klub-Eignern teilgenommen, allerdings ohne Erfolg. Womöglich spielt Crosby bald in Europa. Foto: AP
Ungewohnt statisch. Sidney Crosby beim Training mit einem leicht zu umlaufenden Gegenspieler. Der NHL-Star hat an den...Foto: dapd

Kanadas Premierminister Stephen Harper hat zurzeit wenig Freude an seinem größten Hobby. Der Mann gilt als Eishockeyfanatiker. Doch solche Menschen haben in Nordamerika wenig Freude, denn ein Ende des Arbeitskampfes in der National Hockey-League (NHL) ist nicht in Sicht. Harper verfolgt es mit Argwohn. „Die NHL und ihre Spieler sind ein Geschäft. Und wenn man den Kunden das Produkt zweimal in einem Jahrzehnt nicht bietet, läuft man in eine Gefahr“, sagte Harper in einem seiner Interviews zum Jahresende. Nicht nur die Saison, sondern der ganze „große Nationalsport“ könne gefährdet werden. Auch US-Präsident Barack Obama hat sich nun eingeschaltet, schließlich kommen 23 der 30 NHL-Teams aus den USA: Es sei nicht seine Aufgabe, sich in einen Streit zwischen wohlhabenden Spielern und noch wohlhabenderen Klubeigentümern einzumischen, sagte Obama. Aber beide Parteien sollten bedenken, wer all das Geld in ihre Taschen bringe. „Ihr macht viel Geld auf dem Rücken der Fans, also macht das Richtige für eure Fans“, sagte Obama.

Dass sich inzwischen Nordamerikas Staatschefs um die Zukunft NHL sorgen, scheint die beiden Streitparteien nicht zu irritieren. Eine Einigung ist in weite Ferne gerückt. Die NHL-Führung sagte die Spiele bis einschließlich 14. Januar 2013 ab. Damit sind bereits 625 Spiele der Saison 2012/2013, die am 11. Oktober beginnen sollte, dem Streit über den neuen Rahmenarbeitsvertrag zum Opfer gefallen. Die Klubs hatten im Oktober die Spieler ausgesperrt, nachdem keine Einigung über die Aufteilung der Liga-Einnahmen zwischen Klubs und Spielergewerkschaft erzielt worden war. Sollte es in den nächsten zwei Wochen noch zu einer Einigung kommen, könnte eine auf 48 Spiele pro Team verkürzte Saison gespielt werden, wie es beim Arbeitskampf 1994/95 der Fall war. Dagegen war die Saison 2004/2005 ganz ausgefallen. Doch vor sieben Jahren war die Stimmung anders. Die Fans in Kanada sehnten das Ende herbei und waren enttäuscht, als die Saison komplett abgesagt wurde. Als die nächste Saison begann, strömten sie in Massen in die Arenen. Diesmal gibt es kein gespanntes Warten auf eine Beilegung des Konflikts, keinen Druck der Fans. Sie wenden sich von der NHL ab. Auf die Frage, ob sie ein Ende des Konflikts erwarten, antworteten bei einer Umfrage in Kanada 58 Prozent: „Es ist mir egal“. 25 Prozent glaubten nicht mehr an eine Einigung, der Rest erwartet eine verkürzte Spielzeit. Laut Meinungsforscher Brian Owen von der „NRG Research Group“ wird die Fan-Basis im eishockeybegeisterten Kanada zunehmend kleiner. „Verrückt“ nach der NHL seien vielleicht „nur noch 25 Prozent der Bevölkerung, nicht 100 Prozent“.

Die Fans können nicht nachvollziehen, warum der Konflikt nicht beigelegt werden kann. Klubs und Spieler haben sich bereits darauf geeinigt, die bei rund 3,2 Milliarden Dollar liegenden Einnahmen genau zur Hälfte zu teilen, nachdem die Eigentümer zunächst den Spieleranteil auf 43 Prozent hatten reduzieren wollen. Sie haben sich auch auf Übergangszahlungen für laufende Verträge verständigt. Aber die Gesamtlaufzeit der Tarifvertrags, die Einführung einer Höchstlaufzeit für Individualverträge und einige andere Details sind noch offen – und führten zum Kollaps der jüngsten Verhandlungsrunde vor zwei Wochen.

Bereits jetzt spielen viele NHL-Profis in Europa und Stars wie Sidney Crosby, die bislang an der Lösung des Konflikts mitarbeiteten, liebäugeln mit einem Wechsel, falls die Saison ganz abgesagt werden sollte. Das mag gut sein für Europa, aber es ist schlecht für das Eishockey in Nordamerika. Allgemein wird erwartet, dass bis Mitte Januar eine Einigung erzielt werden muss, um die Saison in der NHL noch zu retten.

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