Sport : Die Lücke gefüllt

Alba gewinnt auch ohne Michael Wright – der Dopingsünder könnte noch lange ausfallen

Helen Ruwald

Berlin - Matej Mamic hatte knapp zwei Minuten vor Spielende noch viel Energie übrig. Nach seinem sechsten erfolgreichen Dreipunktewurf rannte er über das Feld der Max-Schmeling-Halle und stieß mit wilden Bewegungen erst den einen, dann den anderen Arm in die Luft. Alba Berlins Basketballer führten im Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga gegen Rhein Energie Köln uneinholbar mit 86:76. Unmittelbar nach Mamics Korb verloren die Gäste den Ball, der Kroate riss erneut begeistert den Arm nach oben. Die Berliner unter den 8861 Fans waren längst aufgestanden, brüllten „Alba, Alba“ und pfiffen die Kölner bei jedem Ballkontakt aus. Doch Mamics überragender Auftritt war noch nicht beendet. Auch das 93:79 erzielte er mit einem Distanzwurf, diesmal streckte er nur noch langsam einen Zeigefinger in die Luft, ehe er den Ball ein letztes Mal an diesem Abend in den Korb beförderte, zum 95:81-Endstand.

33 Punkte, darunter sieben Dreipunktewürfe bei acht Versuchen, und zehn Rebounds waren die Bilanz von Mamic. „Wir haben für Michael gespielt“, sagte er bescheiden, nachdem seine Kollegen ihm um den Hals gefallen waren. Michael Wright saß während der hochklassigen Partie auf der Ersatzbank und konnte nicht mehr tun, als Kaugummi zu kauen und die Hände gegeneinander zu pressen. Wegen Dopings wurde er vergangene Woche für zwölf Spiele gesperrt. Wright leidet am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS), sein Medikament enthält Amphetamine, auf die er positiv getestet wurde.

In den nächsten Tagen soll Alba die schriftliche Begründung der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Basketball-Bundes zugehen, dann will der Bundesligist Rechtsmittel einlegen. Das Spiel gegen Köln war das erste nach der Urteilsverkündung – doch die Berliner waren nicht verunsichert, sondern trumpften selbstbewusst im Stile eines Meisters auf. „Das Team hat durch die Ereignisse dieser Woche Energie bekommen“, sagte Albas Trainer Henrik Rödl. Selbst eine 0:11-Serie im letzten Viertel ließ das Spiel nicht kippen. „Früher sind wir nach einem Einbruch aus so einem Loch nicht mehr herausgekommen, jetzt haben wir uns gegen ein Spitzenteam wieder gefangen“, lobte Präsident Dieter Hauert. Zwei Spieltage vor Ende der Hauptrunde liegt Alba mit vier Punkten Vorsprung vor Köln an der Tabellenspitze. Auch den direkten Vergleich haben die Berliner gewonnen und werden wohl als Tabellenführer in die Play-offs einziehen.

Nach Wrights Sperre „haben die Jungs mit der notwendigen Menge Wut im Bauch gespielt“, sagte Hauert. Wrights Ausfall konnte kompensiert werden, weil andere einsprangen, nicht nur Mamic. Szymon Szewczyk (15 Punkte) etwa spielte 26 Minuten, mehr als normalerweise, und nutzte seine Chance.

Er und seine Kollegen werden im Titelkampf womöglich ganz auf Wright verzichten müssen. Der US-Amerikaner sagt zwar ruhig: „Das Leben geht weiter“, doch Mannschaftsarzt Gerd-Ulrich Schmidt formuliert es drastischer: „Michael hat ein richtig großes Problem.“ Wright nimmt nach wie vor sein bisheriges Medikament. Seit dem 1. März 2005 gibt es in Deutschland ein Medikament gegen ADS ohne Amphetamine. „Ich habe Michael gesagt, er soll es schnellstmöglich testen, sonst kommt er da nicht mehr raus“, sagte Hauert. Doch das ist nicht so einfach. Das neue Mittel ist vor der Zulassung in Deutschland ein Jahr in den USA getestet worden, Patienten sind dort laut Schmidt neu auf das Medikament eingestellt worden, aber nicht von einem anderen Mittel umgestellt worden. „Wie lange eine Umstellung dauert, weiß man nicht. Außerdem ist eine begleitende Psychotherapie notwendig.“ Selbst wenn die Sperre abgelaufen ist, könnte Wright also nicht am nächsten Tag wieder für Alba auflaufen. Ohne Medikament hätte er laut Schmidt keine Chance. Wegen seiner Konzentrationsprobleme „könnte er den Ball gar nicht mehr so passen wie jetzt“.

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