Sport : Die Lust am Angriff

Sven Goldmann

sagt, warum Klinsmann jeden Machtkampf gewinnen muss Beim FC Bayern München trug der Stürmer Jürgen Klinsmann den Spitznamen Flipper. Wie beim gleichnamigen Spielautomaten wusste man bei ihm nie so recht, wohin der Ball im Falle eines Anspiels springen würde. Dem damals eher unfreiwilligen Prinzip der Überraschung ist er treu geblieben. Der Bundestrainer Klinsmann schert sich wenig darum, was andere von ihm halten. Er taktiert so, wie er es sich auf dem Platz von seiner Mannschaft wünscht: mutig und angriffslustig.

Nun mag Klinsmann die Nationalmannschaft bei der WM 2006 nicht zum Eröffnungsspiel nach München schicken, weil er den Druck als zu groß empfindet. Auch das von seinem Vorgänger ausgeguckte Trainingslager in Leverkusen gefällt ihm nicht, weil er anders als Rudi Völler seinen Lebensmittelpunkt nicht in Rufweite der Bayarena hat. Andere Argumente gab es schon damals nicht für das Quartier in Leverkusen – mal abgesehen davon, dass die Bayer-AG als Sponsor und Lobbyist maßgeblich daran beteiligt war, die WM 2006 nach Deutschland zu holen. Aber das ist kein Problem des Bundestrainers, sondern eines, dass sein Arbeitgeber, der DFB lösen muss.

Klinsmann Angriffslust ist deswegen so bemerkenswert, weil seine Basis in Deutschland denkbar schwach ist. In den letzten Wochen hat er keine Gelegenheit ausgelassen, die alten Säulen der Macht anzugreifen: den DFB, die „Bild“-Zeitung, nun auch Bayer und die Stadt München. Eben deswegen muss Klinsmann jeden von ihm angezettelten Machtkampf gewinnen. Denn Mut und Angriffslust werden nur im Erfolgsfall als positive Eigenschaften wahrgenommen.

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