Sport : Die Lust am Fußball

Beim 4:0 gegen den 1.FC Kaiserslautern entdeckt der VfL Bochum, wie viel Spaß das Siegen macht

Richard Leipold

Bochum. An der Tabelle konnte sich Peter Neururer am Samstagabend gar nicht satt sehen. Noch eine ganze Weile nach dem Schlusspfiff blickte der Trainer des VfL Bochum mit großen Augen auf den Monitor mit dem Videotext. Er ist mit seinen Bochumer Fußballprofis in der Bundesliga auf den sechsten Platz vorgerückt. Beim 4:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern gelang Neururers Mannschaft, die seit fünf Spielen ungeschlagen ist, der höchste Sieg seit langer Zeit. „Wir werden ein schönes Wochenende haben“, sagte der Bochumer Trainer.

An der Leistung seiner Mannschaft hatte Neururer nicht viel auszusetzen, der abermals schwache Besuch im Ruhrstadion ärgerte den Übungsleiter, der sich auch als Marketingmann versteht umso mehr. Nur gut 20 000 Zuschauer wollten den aufstrebenden VfL sehen. Gemessen an den aktuellen Leistungen der Mannschaft, sei das „ein unwürdiger Rahmen“, sagte Neururer. Nach dem ständigen Hin und Her zwischen Erster und Zweiter Liga im vergangenen Jahrzehnt fällt es dem Klub schwer, sein Stammpublikum zu vergrößern. Torhüter Rein van Duijnhoven begegnete dem Misstrauen der Einheimischen mit Ironie. „Es tut mir Leid für die Leute, die heute nicht dabei waren, sie haben etwas verpasst.“

In der ersten halben Stunde hatten die Daheimgebliebenen allerdings noch nicht viel versäumt. Nach 30 Minuten wurde es turbulent. Das Spiel trat in seine entscheidende Phase – auch wenn die Tore erst viel später fielen. Der Kaiserslauterer Mittelfeldspieler Marian Hristow wusste sich zum wiederholten Mal nicht anders zu helfen, als den stark aufspielenden VfL-Regisseur Dariusz Wosz auf rustikale Art in seinem Vorwärtsdrang zu bremsen. Schiedsrichter Wolfgang Stark, der den Übeltäter zuvor verwarnt hatte, ahndete die Aktion mit Gelb-Rot. „Beim ersten Mal hat er mich klar getroffen“, sagte Wosz, „und beim zweiten Mal hat er mich auch berührt.“ Während Hristow schimpfend vom Platz ging, setzten die beiden Trainer den Streit mit den Mitteln der Gestik und Mimik fort. Sie gingen wild mit den Armen fuchtelnd aufeinander los. Einigen Spielern gelang es jedoch, die beiden Kämpfer voneinander zu trennen. Für das Foul hatte Neururer nach eigenem Bekunden „keine Karte gefordert“, umso heftiger regte er sich darüber auf, dass der abgestrafte Hristow dem am Boden sitzenden Wosz im Rausgehen den Ball von hinten ins Kreuz schoss.

Als der Ball wieder rollt kamen die Bochumer zu einer Reihe von Chancen, fanden vor der Pause noch nicht den richtigen Dreh. Im zweiten Durchgang holten sie das Versäumte nach. Die beiden Stürmer Vahid Hashemian und Peter Madsen erzielten jeweils zwei Tore. Spätestens nach einer Stunde – Bochum führte 2:0 – hatten die Pfälzer sich mit der Niederlage abgefunden. „Da haben wir die Kontrolle über das Spiel total verloren“, sagte Erik Gerets, der Kaiserslauterer Trainer. Er behauptete, dass seine Elf die Partie mit elf Mann auf keinen Fall verloren hätte. Am Schluss geriet der Auftritt für die Pfälzer zum Debakel. Mit dem Vorsprung von zwei Toren im Rücken gaben sich die Bochumer der puren Lust am Fußball hin. Und hätten sogar höher gewinnen können. Neururer war hoch zufrieden. „Wir haben unsere Überzahl konsequent ausgenutzt.“

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