Sport : Die Lust an der Last

Gerald Brown führt Alba im Basketball-Spitzenspiel

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Man könnte glauben, dass Gerald Brown mit seinem Teamkollegen Mithat Demirel nicht gut auskommt. Wie anders ist es zu erklären, dass der Aufbauspieler des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin ausgerechnet seit jenem Zeitpunkt immer besser spielt, seit dem Demirel fehlt. Doch Gerald Brown sagt: „Ich vermisse Mithat.“ Seine Leistungssteigerung führt er auf einen anderen Effekt von Demirels Abwesenheit zurück. Seitdem der deutsche Nationalspieler nicht mehr spielt, ruht die Verantwortung im Aufbau die meiste Zeit auf ihm. Der 29-Jährige sagt: „Je länger ich auf dem Feld stehe, desto selbstbewusster werde ich.“

Das ist gut für Alba Berlin, denn an seinen langen Spielzeiten wird sich erst einmal nicht viel ändern: Mithat Demirel wurde Anfang der Woche am Schambein operiert. Wann er in die Mannschaft zurückkehren wird, ist ungewiss. „Der Beginn der Play-offs ist ein realistisches Ziel“, sagt Ramon Garcia, Albas Physiotherapeut. Die Play-offs beginnen am 14. Mai, Demirel wird dann noch keine Spielpraxis haben. Einen Vorgeschmack darauf, wie es sein könnte, ohne Demirel in der wichtigsten Phase der Saison zu spielen, bekommt Alba bereits heute gegen GHP Bamberg (18.30 Uhr, live auf Premiere) in der Max-Schmeling-Halle.

Dieses Spiel, in dem die Berliner erstmals seit sechs Wochen wieder Nationalspieler Stefano Garris einsetzen können, wird den Charakter eines Play-off-Spiels besitzen. 8000 Eintrittskarten hat Alba bereits abgesetzt, die Halle wird wohl ausverkauft sein. Bamberg ist Tabellenerster, Berlin Zweiter; Bamberg ist auswärts das stärkste Team, Berlin das heimstärkste; Bamberg hat 36:14 Punkte, Berlin auch. Und was die Rivalität weiter fördert: Seitdem das Team von Trainer Dirk Bauermann im vergangenen Mai das Play-off-Halbfinale beider Teams mit 3:2-Siegen gewann, nennen einige Bamberger Fans ihren Klub „Alba-Killer“. Berlins Trainer Henrik Rödl sagt bereits: „Ich erwarte eine unglaubliche Intensität.“

Gerald Brown ist zwar erst im Sommer von Partisan Belgrad gekommen, er hat die Play-off-Serie gegen Bamberg nicht miterlebt. Dennoch freut er sich auf das Duell. „Ich mag es, unter Druck Verantwortung zu übernehmen.“ Zu Saisonbeginn wirkte das noch anders. Zwar stand Brown fast immer in der Startformation der Berliner, doch konnte er dieses Vertrauen nur selten rechtfertigen.

Nun aber scheint dem US-Amerikaner auch eine weitere Veränderung in Albas Mannschaft gut getan zu haben: der Trainerwechsel. Seit Mitte Januar ist Henrik Rödl Albas Chefcoach. „Er hat ein paar Spielzüge eingebaut, die mich stark involvieren“, sagt Brown. Rödl freut sich über das Kompliment, doch er sieht andere Gründe für das späte Auftauen Browns. „Für einen Aufbauspieler ist es am schwersten, sich an eine neue Mannschaft zu gewöhnen. Er musste erst in das Team finden.“

Rödls dritter Spielmacher, Martynas Mazeika, hat seinen Weg in die Mannschaft inzwischen auch gefunden. Der 20-Jährige füllt seit der Verletzung Demirels die Rolle des zweiten Aufbauspielers hinter Brown erstaunlich souverän aus. Der bullige Litauer ist verbal allerdings noch vorsichtig. „Wir brauchen Mithat Demirel“, antwortet er auf die Frage, ob sich seine Rolle in der Mannschaft nach Demirels Verletzung verändert habe. Gut, dass Mazeika auf dem Feld aggressiver zu Werke geht. Ob der junge Aufbauspieler weiterhin so viel Spielzeit bekommen wird wie zuletzt, darauf will sich Trainer Rödl noch nicht festlegen. „Wir müssen sehen, wie sich die Mannschaft entwickelt.“ Der heutige Tag verspricht, einen nicht unbedeutenden Hinweis dafür zu geben.

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