Sport : Die Macht der Mitte

Hertha BSC setzt gegen Leverkusen noch stärker auf seinen bisher besten Mannschaftsteil

Mathias Klappenbach,Michael Rosentritt

Berlin - Das neue Trikot sieht aus wie das aus der Saison 1905/1906. In diesen Retro-Shirts läuft Hertha BSC heute im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (15.30 Uhr) zum ersten Mal auf. „Wir wollen alle Mittel ausschöpfen, damit es mit dem ersten Heimsieg klappt“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Ein kleiner Spaß, ein Motivationstrick, ein Spiel mit dem Aberglauben. Mehr Hoffnung, im vierten Versuch in dieser Saison ein Bundesligaspiel im Olympiastadion zu gewinnen, haben die Berliner, weil Trainer Falko Götz sein derzeitiges System von dem Personal spielen lassen kann, das er dafür vorgesehen hat. „Mit Yildiray Bastürk werden wir mehr Chancen produzieren“, sagt Götz, „schon dadurch steigt die Chance, mehr Treffer zu erzielen.“ Mit dem ersten Einsatz des bisher verletzten Neuzugangs von Beginn an soll die Offensive der Berliner gefährlicher werden. Für ihn muss Thorben Marx weichen, der taktisch eine defensivere Rolle als Bastürk eingenommen hatte.

Sieben Tore hat Hertha erst in der Bundesliga geschossen, lediglich Arminia Bielefeld traf noch seltener. Von den Stürmern war nur Fredi Bobic beim 1:1 gegen Mainz einmal erfolgreich, die anderen sechs Treffer erzielte der Mannschaftsteil, der mit Bastürk nun noch stärker werden soll: das Mittelfeld. Nach den ersten Saisonspielen hoben die Verantwortlichen von Hertha immer die guten Abwehrleistungen hervor, die Stürmer standen in der Kritik. „Dabei hatten wir gar nicht viele klare Chancen“, sagt Fredi Bobic. „Die Qualität der letzten Pässe war nicht gut genug.“ Bobic ist der einzige Angreifer, für den heute Platz in der Hertha-Startelf ist. Stürmen sollen zudem die Mittelfeldspieler Gilberto, Christian Müller, Marcelinho und Bastürk. Nur Niko Kovac hat eine defensive Rolle vor der Viererkette. Gilberto und Müller sind für die Außenbahnen und Flanken zuständig, Marcelinho und Bastürk haben laut Trainer Götz „alle Freiheiten nach vorne“.

Vor der Saison hat sich Hertha mit Gilberto und Bastürk bewusst im offensiven Mittelfeld verstärkt und die Qualität der Stürmer offensichtlich für ausreichend erachtet. Es wird nicht der Plan von Falko Götz gewesen sein, ständig mit nur einem Stürmer zu spielen. Nachdem Nando Rafael und Artur Wichniarek aber nicht die erwarteten Leistungen gezeigt hatten, musste der Trainer einen Weg finden, das Personalproblem im Angriff zu kaschieren und trotzdem seine offensive Grundausrichtung aufrechtzuerhalten. Seit dem Spiel in Hamburg, als Hertha viele Chancen herausspielte, scheint er sein System gefunden zu haben. Wenn Hertha in Ballbesitz ist, sind laut Götz gleich fünf Angreifer auf dem Platz. „Diese Spielweise birgt ein hohes Risiko, es ist ein offensiver Spieler mehr in unserem System als üblich. Da muss die Organisation nach hinten stimmen.“

Hertha BSC ist in dem Mannschaftsteil sehr gut besetzt, dem im modernen Tempo-Fußball die entscheidende Bedeutung zukommt. Es ist das Mittelfeld, das offensive Spielzüge entwickeln und außerdem die schnellen und gefährlichen Gegenangriffe verhindern soll. Auch um die Defensive müssen sich schließlich die vielen offensiven Spieler Marcelinho, Bastürk, Gilberto und der junge Christian Müller kümmern.

Nach Müllers guten Leistungen blieb Trainer Falko Götz sowieso fast keine andere Wahl, als dieses Mittelfeld und nur einen Stürmer aufzubieten. Und auf die Spielkünste von Yildiray Bastürk zu hoffen. „Wir freuen uns auf ihn. Die Mannschaft und ich haben im Training gesehen, was er alles kann.“ Seine Mittelfeldkollegen haben jeder schon mindestens ein Tor geschossen.

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