Sport : Die Macht des Siegers

Benedikt Voigt

glaubt, dass Otto Rehhagel Bundestrainer wird Vergessen wir einmal kurz die vergangenen drei Wochen und versetzen uns zurück an den 11. Juni 2004. Otto Rehhagel gilt als Mann der Vergangenheit. Seine Taktik wirkt so rückwärts gewandt wie seine Sätze, die oft beginnen mit: „Wissen Sie, ich bin schon so lange im Geschäft...“ Griechenland präsentiert sich als eine Nation, die Tag und Nacht an ihren Olympiabauten herumschraubt. Und die deutsche Fußball-Nationalelf besitzt einen schnauzbärtigen Trainer, den alle lieb haben.

Jetzt ist alles anders.

Zwar lieben immer noch alle den schnauzbärtigen Trainer, nur trainiert der nicht mehr die deutsche Auswahl. Die Griechen sind erneut Tag und Nacht beschäftigt – doch nun feiern sie einen Europameistertitel. Und Otto Rehhagel ist ein Mann der Zukunft. Er wird wohl neuer Bundestrainer, auch wenn das vor drei Wochen keiner geglaubt hätte. Der Erfolg spricht für ihn. Mit Griechenland kann Otto Rehhagel seinen letzten Coup nicht mehr übertreffen. Sein Team ist kein Außenseiter mehr und kann künftig nur noch verlieren. Zwar versuchen die Griechen ihn mit aller Macht zu halten, verkündeten gestern gar, er bleibe bis 2008. Doch nur die Aufgabe, das deutsche Team bei der WM 2006 zu führen, wäre für Rehhagel die nächste Steigerung. Inzwischen neigt auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zu dieser Lösung. Mangels Alternative. Und mangels Mut zu weitreichender Veränderung. Schon biegt der Verband seine Anforderungen so hin, dass sie auf den 65-Jährigen passen. Von Zukunft, von Taktik, von Jugendkonzept ist keine Rede mehr. „Wir sollten jemanden für die nächsten zwei Jahre suchen“, sagt DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer, „wie es danach weitergeht, ist völlig egal.“ Rehhagel wäre diese pragmatische Lösung. Er hat bewiesen, dass er begrenzt talentierte Spieler begeistern und mit ihnen das Optimale erreichen kann. Das genügt offenbar dem DFB. Schade.

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