Sport : Die Mächtigen von Manchester

Der britische Traditionsklub gerät immer stärker in die Hände einzelner Aktionäre, die revolutionäre Pläne verfolgen

Andreas Hoffbauer

London. Der Fußballklub Manchester United steht vor besonders spannenden Wochen. Auf dem Rasen will das Team um David Beckham, ohnehin für beste Fußball-Dramatik bekannt, den Meistertitel vom Rivalen FC Arsenal zurückerobern. Die wahre Herausforderung steht dem Traditionsverein aber noch bevor – nach dem Saisonende. Und vielleicht ist diese Herausforderung die wichtigste in der bisherigen Vereinsgeschichte. Seit Wochen ranken sich Übernahme-Spekulationen um den an der Börse notierten und reichsten Fußballverein der Welt. „Da braut sich was zusammen", sagt ein Analyst in London.

Mehrere reiche Geschäftsleute haben sich bei dem Klub in den vergangenen Wochen still und leise eingekauft, allen voran zwei irische Millionäre. Aber auch der Name des Erfinders von „Big Brother", John de Mol, sowie des US-Sport-Tycoons Malcolm Glazer tauchen seit kurzem auf der Aktionärsliste auf. Was den Vorstand besorgt, das hat die Aktie beflügelt: Der Kurs hat seit Jahresbeginn um fast ein Drittel zugelegt.

Während andere Vereine, wie etwa der Traditionsklub Leeds United, immer tiefer in die roten Zahlen rutschen, gilt Manchester United mehr denn je als ein Investment. Vor allem der lukrative Werbevertrag mit dem US-Sportartikelhersteller Nike spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Deal bringt in 13 Jahren fast 500 Millionen Euro in die Vereinskasse. ManU habe zudem weltweit einen hervorragenden Markennamen, der sich bei 54 Millionen Fans noch besser vermarkten lasse, glauben Branchenexperten. Zudem hat der Klub seine TV-Rechte gut verkauft und mit dem Spielerhandel viel verdient.

Die Mafia mit den Schlapphüten

Auch am heutigen Dienstag wird erwartet, dass der Fußballverein mit seinen Halbjahreszahlen die Börse erfreut. Der Klub sei gut geführt und gut finanziert, lobt ein Analyst. Für die ersten sechs Monate wird (ohne Spielerhandel) mit einem Vorsteuergewinn von 42,5 Millionen Pfund gerechnet. Zum Vergleich: Bei Leeds stieg im ersten Halbjahr der Verlust von 17,2 auf 25,5 Millionen Pfund. Präsident Peter Risdale trat daraufhin am Montag zurück.

Obwohl die Zahlen bei United ganz anders ausfallen, droht dort der Vereinsspitze ebenfalls der Rausschmiss. Es geht um die Macht in Manchester. Der Vorstand war alarmiert, als vor kurzem klar wurde, dass die irischen Rennbahn-Milliardäre JP McManus und John Magnier hinter den Kulissen zum größten Einzelaktionär geworden sind. Sie haben seit Jahresbeginn über die Investmentfirma Cubic Expression ihren Anteil an Manchester United auf 10,4 Prozent erhöht. Im ManU-Management geht nun die Angst um vor den beiden irischen „Rennpferdebesitzern, die keine Ahnung haben wie man einen Fußballverein führt“. Die Nervosität ist berechtigt: McManus und „The Boss“ Magnier sind Mitglieder der so genannten Coolmore-Mafia (mit einem Hang zu schwarzen Schlapphüten) und gelten als so reich, dass der momentane ManU-Börsenwert von 350 Millionen Pfund für sie problemlos zu bezahlen ist. Bereits im vergangenen Jahr soll das Duo eine feindliche Übernahme von ManU geplant haben. Besonders pikant ist, dass die beiden bekennenden United-Fans aus Irland beste Freunde von ManU-Trainer Alex Ferguson sind.

Immer wieder taucht auch der Name Dermot Desmond auf, der dritte Millionär aus Irland. Der Mann, der nicht nur den Londoner City-Airport besitzt, sondern auch 21,5 Prozent am Fußballklub Celtic Glasgow, träumt angeblich davon, die schottische und englische Liga zu vereinen. Mit der Macht bei ManU hätte er für diese Fußball-Revolution den wichtigsten Klub der Insel hinter sich.

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