Sport : Die Magie des Stadions

Hürdensprinter Johnson ist beim Istaf dabei

Friedhard Teuffel

Berlin - Vor drei Jahren hat Allen Johnson in Berlin nach Spuren von Jesse Owens gesucht. Der amerikanische Hürdensprinter wollte etwas mehr erfahren über sein großes Idol, das bei den Olympischen Spielen 1936 vier Goldmedaillen gewonnen hatte. Deshalb ist Johnson an einem Nachmittag ins Olympische Dorf von 1936 gefahren. Dort hat er sich die verfallenen Wohnhäuser und Trainingsplätze angeschaut und ist auf der inzwischen bewachsenen Laufbahn ein paar Meter gerannt. Solche Ausflüge gehören eigentlich nicht zum Tagesablauf eines Profisportlers. „Wir sitzen sonst nur auf unseren Hotelzimmern und gucken CNN“, sagte Johnson damals. Zwei Tage später gewann er beim Leichtathletik-Meeting Istaf im Olympiastadion über 110 Meter Hürden. Er nahm sogar einen Teil des Jackpots aus Goldbarren mit, weil er auch bei den anderen Golden-League-Meetings gesiegt hatte.

Seitdem hat Johnson eine noch engere Bindung zum Olympiastadion, zu Berlin und zum Istaf. Vielleicht auch deshalb haben die Veranstalter ihn gestern als ersten Athleten für das diesjährige Istaf am 12. September vorgestellt. „Wir wollen die besten Sportler haben, die bei den Olympischen Spielen in Athen gewinnen“, sagte Gerhard Janetzky, der Geschäftsführer des Istaf. Johnson hat beste Chancen, aus Athen als Olympiasieger zurückzukommen.

Als Johnson zum ersten Mal beim Istaf mitlief, verlor er gegen den Briten Colin Jackson. Das war 1994. Jackson hält zwar noch den Weltrekord in 12,91 Sekunden, aber seine Karriere hat er im vergangenen Jahr beendet. Der härteste Konkurrent für Johnson ist in diesem Jahr ein Chinese, Xiang Liu. Beim Grand-Prix im Mai in Osaka rannte Xiang Liu in 13,06 Sekunden ins Ziel und war dabei sieben Hundertstel schneller als Johnson. „Er hat mich geschlagen, als ich auf meinem höchsten Niveau gelaufen bin“, sagte Johnson gestern. „Wenn ich mich abends ins Bett lege und an das olympische Finale denke, dann ist er derjenige, der mir das Einschlafen ein bisschen schwer macht.“ Xiang Liu kommt aus einer anderen Generation: Er ist erst 21 Jahre alt, zwölf Jahre jünger als Johnson.

Bisher ist aber noch keiner in diesem Jahr schneller gerannt als der Amerikaner: 13,05 Sekunden. 12,92 Sekunden sind seine Bestzeit. Aufgestellt hat er sie 1996, in dem Jahr, in dem er auch seinen größten Erfolg feierte: Johnson wurde in Atlanta Olympiasieger. Mit seiner Vorbereitung auf Athen sei er zufrieden, sagte Johnson. Er lasse sich auch nicht von den Dopingfällen in der amerikanischen Leichtathletik beeinflussen, und mit der dopingverdächtigen Sprinterin Marion Jones sage er sich ohnehin nur „Hallo“.

Das Istaf kehrt in diesem Jahr nach dreijähriger Abwesenheit ins Olympiastadion zurück, und darauf freut sich auch Johnson. „Das Olympiastadion hat etwas Magisches, auch wegen der Olympischen Spiele von 1936 und Jesse Owens.“ Die Arbeitsgrundlage wird er allerdings nicht wiedererkennen. Die Laufbahn ist nun blau. Aber für Johnson ist das nur ein Grund mehr, um das Olympiastadion zu mögen. Als er an der Universität von North Carolina studierte, trainierte er ebenfalls auf einer blauen Bahn.

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