Sport : Die Mannschaft motiviert sich

Die deutschen Basketballer schlagen Italien 67:58 und treffen heute im EM-Viertelfinale auf Favorit Spanien

Benedikt Voigt[Madrid]

Vor dem Spiel tauchten die Olympischen Spiele plötzlich in der Umkleidekabine der deutschen Basketball-Nationalmannschaft auf. Ein Beamer warf Bilder von Barcelona 1992 an die Wand, als zum letzten Mal deutsche Basketballer bei einem olympischen Turnier mitmachten. Bundestrainer Dirk Bauermann hatte sich noch weitere basketballerische Höhepunkte zu einem zweiminütigen Film zusammenstellen lassen: Der EM-Titel 1993, WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005 kamen auch vor. Mindestens Nationalspieler Jan Jagla zeigte sich empfänglich für eine derartige Motivationshilfe, er sagte: „Das hat uns vor dem Spiel noch einen richtigen Push gegeben.“

Es wird schwer zu klären sein, welchen Anteil der Motivationsfilm letztlich am 67:58 (27:27)-Erfolg über Italien bei der Basketball-Europameisterschaft in Spanien hatte. Jeder deutsche Spieler hatte ohnehin gewusst, dass bei einer Niederlage der Traum von der Teilnahme an den Spielen in Peking vorbei gewesen wäre. Auch deshalb bot die deutsche Mannschaft in einem mäßigen und nervös geführten letzten Zwischenrundenspiel die bisher beste Verteidigungsleistung in diesem Turnier. „Ich bin stolz auf die Leistung der Mannschaft“, sagte Bauermann, „man konnte schon in der Umkleidekabine merken, dass sie als Kollektiv diesen Erfolg unbedingt wollte.” Das deutsche Team sicherte sich Platz vier in der Zwischenrunde und trifft bereits heute (21.30 Uhr, live im DSF) im Viertelfinale auf den Weltmeister und Turnierfavoriten Spanien.

Als Dirk Nowitzki aus der Umkleidekabine kam, sah er seinen Teamkollegen Johannes Herber Interviews geben. „Matchwinner“ rief Nowitzki laut in den Raum und überließ dem Flügelspieler von Alba Berlin zunächst die Bühne. 15 Punkte hatte Johannes Herber erzielt, ebenso viele wie der NBA-Star von den Dallas Mavericks. Sieben Punkte warf Herber am Ende des dritten Viertels, als Nowitzki überraschend lange auf der Bank saß. Der 29-Jährige hatte in der Offensive große Probleme, nur 26 Prozent seiner Würfe fielen durch den Korb. „Bei mir ging nichts zusammen, meine Schüsse waren alle zu kurz“, sagte Nowitzki.

Ohne ihn aber zog die deutsche Mannschaft zum ersten Mal davon: 46:37. „Was Johannes Herber getroffen hat, ist unglaublich“, sagte Bauermann. Als Herber ausgewechselt wurde, herzten ihn alle Mitspieler begeistert. „Er hat uns mit seinen Dreiern das Spiel gewonnen“, sagte Nowitzki. Am Ende wechselte Trainer Dirk Bauermann wie in einem Handballspiel vor jeder Verteidigungssituation Jan Jagla ein und vor jedem Angriff Aufbauspieler Pascal Roller – für vier Freiwürfe, die der Frankfurter sicher verwandelte.

Es war zum ersten Mal in diesem Turnier ein mannschaftlicher Erfolg. 21 Rebounds hatte das deutsche Team mehr gefangen als die Italiener. „Das zeigt, wie aggressiv die Jungs waren und wie sehr sie dieses Spiel gewinnen wollten“, sagte Bauermann. Sein Team ist nun im Viertelfinale klarer Außenseiter. „Die Spanier sind absoluter Favorit“, sagte Nowitzki, „es wird eine schwere Aufgabe, aber wenn wir uns so reinkämpfen in der Verteidigung wie heute, ist alles möglich.”

Selbst bei einer Niederlage im Viertelfinale hat das deutsche Team noch Chancen, sich für Olympia zu qualifizieren. Platz sieben bei der EM in Spanien berechtigt bereits zur Teilnahme am Olympia-Qualifikationsturnier vom 7. Juli bis zum 13. Juli 2008. Doch Jan Jagla hat ganz andere Ziele. „Wenn wir Europameister werden wollen, müssen wir alle schlagen“, sagte der 26-jährige Centerspieler. Das freilich könnten noch Nachwirkungen des Motivationsfilms sein.

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