Sport : Die Mannschaft muss Trainer Forsberg beweisen, was sie kann

Claus Vetter

Das Feiern mit den Fans machte den Eisbären so viel Spaß wie schon lange nicht mehr. 8:2 gegen Hannover, der höchste Sieg seit dem 7:0 gegen die Capitals am 23. Oktober 1999: Da schlug Rob Cowie Mario Chitarroni im Überschwang den Helm vom Kopf, ließ sich der zweifache Torschütze Chris Govedaris minutenlang von den Anhängern bejubeln. Und auch die Vereinsverantwortlichen auf der Tribüne hatten ihren Spaß. "Man hat den Spielern angemerkt, dass sie wieder an sich glauben", stellte der Generalbevollmächtigte Martin Müller zufrieden fest.

Der eigentliche Hauptdarsteller ließ sich die Freude über den ersten Triumph unter seiner Regie indes nur wenig anmerken. "Wir haben diszipliniert gespielt", sagte Kent Forsberg. "Ich bin mit allem zufrieden, die zwei Gegentore natürlich ausgenommen." Dass der - erst am Sonnabend gekommene - neue Trainer binnen kurzer Zeit aus einem zuletzt oft hilflos wirkenden Ensemble eine selbstbewusste Mannschaft zu formen scheint, erstaunt doch. "Ich war überrascht, dass es möglich ist, in nur 48 Stunden einen Impuls zu setzen", befand Müller, "doch ich habe schon immer gesagt, dass die Mannschaft stärker ist als im letzten Jahr. Nur muss man das Potenzial auch ausschöpfen."

Freilich, die Eisbären haben unter Forsberg erst ein Spiel gewonnen und den Einzug in die Play-offs noch lange nicht geschafft. Und dass sich nach einem Wechsel hinter der Bande in der Regel ein gewisser Euphorie-Schub einstellt, ist nicht neu. Trotzdem stimmt die Vorstellung vom Dienstag zuversichtlich. Dass unter Forsberg alte Strukturen wenig gelten, machte der Schwede allein schon mit der Umstellung der Sturmreihen deutlich. So sieht es auch Thomas Rhodin. "Jeder muss dem neuen Trainer beweisen, dass er etwas kann", sagt der Verteidiger. Forsberg sei ein guter Motivator, "auch wenn er eher ein ruhiger Typ ist, der keine langen Vorträge hält." Die seien auch nicht nötig, meint Forsberg. Schließlich ginge es um elementare Dinge, die Art und Weise, wie man Eishockey zu spielen habe.

Trotz aller Freude über den Erfolg gegen Hannover, eine Schwachstelle war bei den Berlinern auszumachen. Torhüter Gravel hinterließ nicht den besten Eindruck. Forsberg äußerte sich dazu diplomatisch. "Seine Leistung war in Ordnung, auch wenn er einen Fehlstart erwischt hat. Das 0:1 war eine Kopie des ersten Gegentores vom Sonntag. Aber im zweiten Drittel hat Gravel uns mit seinen Paraden im Spiel gehalten." Wie es in der Torwartfrage weitergeht, wollte Forsberg noch nicht verraten. "Wir haben drei Torhüter, da wird jeder noch seine Chance bekommen." Die Handschrift des neuen Trainers scheint sich schon nach wenigen Tagen abzuzeichnen.

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