Sport : Die Medaille danach

Deutsche Handballer gelten auch bei Olympia als Favorit

Christopher Buhl

Zum Favoritenkreis gehörten die deutschen Handballer schon bei vielen Turnieren, nur mit einem Titelgewinn hatte es bis zum vergangenen Sonntag lange nicht geklappt. Beobachter wollen es kaum glauben: Der letzte Erfolg eines bundesdeutschen Teams bei einem großen Turnier liegt 26 Jahre zurück. Damals, 1978, wurde die Mannschaft von Vlado Stenzel in Dänemark Weltmeister. Ein Erfolg bei Olympia blieb dem Team unfreiwillig verwehrt – 1980 boykottierte das Nationale Olympische Komitee die Teilnahme an den Spielen in Moskau. Dafür holte die DDR dort Gold.

Im Sommer in Athen droht kein Boykott; deshalb darf auch schon über das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft spekuliert werden. Bereits unmittelbar nach dem Abpfiff am Sonntag wurden die Deutschen in die Favoritenrolle gedrängt. Sie nehmen diese Rolle an – ist das Übermut oder berechtigte Zuversicht? Immerhin hat der Handball in Europa eine große Tradition. Eine Europameisterschaft ist darum eine akzeptable Messlatte.

Einer der Leistungsträger beim Gewinn der Weltmeisterschaft 1978, der einstige Kapitän Horst Spengler, sieht das auch so. „Die Mannschaft hat in den vergangenen Jahren sehr starke Leistungen gezeigt und gehört zur Weltspitze. Deshalb ist sie ohne Zweifel Mitfavorit“, sagt der ehemalige Kreisläufer Spengler. Für einige Spieler sei Athen außerdem die letzte Chance, Gold bei Olympia zu gewinnen. „Zerbe, Schwarzer und Petersen werden wohl ihr letztes großes Turnier spielen und sich für den Titel mächtig reinknien.“

Rückschlüsse aus einem Vergleich mit dem Team von 1978 möchte Spengler nicht gerne ziehen. „Der Sport ist generell athletischer und schneller geworden. Wir waren damals noch keine Profis, das kann man nicht vergleichen.“ Als gute Eigenschaft einer Mannschaft wird immer an erster Stelle ihr Zusammenhalt genannt – die sieht Spengler bei den Deutschen nach wie vor. „Die verletzten Spieler Baur und Kretzschmar sind extra mit dem Auto zum Finale gefahren, das ist schon enorm. Auch bei uns hat es eine derartige Freundschaft gegeben. Außerdem sind die jungen Spieler trotz des Erfolges auf dem Boden geblieben“, bilanziert er. Das sind Qualitäten, die Bundestrainer Heiner Brand offensichtlich gut transportiert hat – ebenso wie seine Kenntnisse als Abwehrspezialist. Für seinen ehemaligen Mannschaftkollegen Spengler hat der Trainer „wesentlichen Anteil“ am Erfolg der vergangenen Jahre. „Wenn alles zusammen kommt“, sagt Spengler, „ist Gold möglich.“

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