Sport : Die Meisterprüfung

Albas Basketballer werden in Bonn endlich mal gefordert

Helen Ruwald

Berlin. Die Bonner Hardtberghalle ist längst ausverkauft, Karten gibt es nur noch auf dem Schwarzmarkt – oder im Internet. Dort werden die ursprünglich 19 Euro teuren Tickets für das Basketball-Bundesligaspiel der Telekom Baskets Bonn gegen Alba Berlin (Sonntag, 15 Uhr) für 50 Euro versteigert. Die Fans des Tabellendritten hoffen auf einen Sieg gegen den Deutschen Meister aus Berlin, der als einziges Team nach acht Spielen noch ungeschlagen ist.

Die letzte Niederlage auf nationaler Ebene steckte Alba am 3. April in Bonn ein (72:78). Bonns Präsident Wolfgang Wiedlich „hat damals angekündigt, dass die Alba-Ära vorbei ist“, erinnert sich Berlins Aufbauspieler Mithat Demirel. Doch Wiedlich sollte sich irren, mit anschließenden zwölf Siegen in Folge gewann Alba Berlin nach bis dahin unbefriedigendem Saisonverlauf doch noch Pokal und Meistertitel. In der Bundesliga musste sich der Meister in dieser Saison mit vorwiegend schwächeren Gegnern auseinander setzen, unter den acht bisherigen Kontrahenten sind die sechs Teams, die die letzten sechs Tabellenplätze einnehmen. Gegen diese Mannschaften kompensierte Alba den Ausfall der verletzten Nationalspieler Jörg Lütcke und Henrik Rödl gut. Lütcke ist fit, Rödl hat seine Wadenzerrung noch nicht ganz überwunden. „Wir hoffen, dass er uns in Bonn ein bisschen helfen kann“, sagt Manager Carsten Kerner. Der Einsatz von Rödl, der die ganze Mannschaft mitzureißen vermag, ist umso wichtiger, als Spielgestalter DeJuan Collins wegen einer Fußverletzung wochenlang ausfällt. Und das ausgerechnet jetzt, wo Alba es mit vielen sehr starken Gegnern zu tun bekommt. Sieben Spiele bestreiten die Berliner bis Weihnachten, unter anderem gegen Köln, Barcelona, Istanbul und Bologna.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Umstellung vom Alleinunterhalter beim Absteiger Tübingen zum Anführer eines mit Stars gespickten Teams in Berlin „hatte Collins einen guten Rhythmus gefunden“, sagt Trainer Emir Mutapcic. Mutapcic fordert nun noch mehr Leistung von Demirel, Marko Pesic und Stefano Garris, die sich am Mittwoch mit der deutschen Nationalmannschaft in Bosnien-Herzegowina vorzeitig für die EM qualifizierten und selbstbewusst zurückkehrten. Demirel, dem nach dem Weggang von Derrick Phelps zu Saisonbeginn Collins vorgesetzt wurde, kommt die entscheidende Rolle zu. „Mithat ist für die Organisation verantwortlich“, sagt der Trainer. Der Aufbauspieler, der bislang von der Bank kam, obwohl Collins lange schwankende Leistungen zeigte, wird von Anfang an spielen. „Ich habe mehr Verantwortung. Das ist eine Herausforderung für mich“, sagt Demirel.

Die Verpflichtung eines neuen Aufbauspielers ist bei Alba kein Thema – noch nicht. „Zwei Monate nach Saisonbeginn gibt es nicht viele gute Spieler, außerdem ist es eine Geldfrage“, sagt Mutapcic. „Wir warten, bis wir wissen, wie lange Collins ausfällt, dann reagieren wir.“ In der Hoffnung, dass der wichtige Dezember dann nicht schon vorbei ist und sich mehrere Niederlagen angesammelt haben.

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