Sport : Die Millionäre kommen

Warum in der DEL die Stars aus der NHL spielen

Claus Vetter

Berlin - Es wird voll in den Stadien der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Und zwar schon heute zum Saisonstart, erstaunlicher Weise sogar in Iserlohn. Die Halle des westdeutschen Provinzklubs ist ausverkauft – weil der bayrische Provinzklub Ingolstadt kommt. Das wäre vergangene Saison undenkbar gewesen. Da allerdings konnten die Fans der Roosters noch nicht die Tricks des US-Amerikaners Mike York bestaunen. Vergangene Saison brachte der neue Iserlohner Center bei den Edmonton Oilers in der nordamerikanischen Profiliga NHL 42 Skorerpunkte auf sein Konto. Noch bekannter ist der beste Stürmer des ERC Ingolstadt, der Marco Sturm heißt. 200 000 Euro soll der Nationalspieler in Bayern kassieren, bei den San Jose Sharks hat er das Zehnfache im Jahr verdient. Auch Stürmer Andy McDonald von den Anaheim Mighty Ducks kommt kurzfristig nach Ingolstadt. Denn in Nordamerika wird nicht gespielt: Der Saisonstart in der NHL fällt aus.

Was für die deutschen Fans „eine Super-Geschichte ist“, wie DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke findet, ist für die NHL eine Katastrophe: Klubbesitzer und Spielergewerkschaft konnten sich am Mittwoch nicht über eine Gehaltsobergrenze für die Klubs einigen, der Saisonstart wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, alle Trainingslager wurden abgesagt. Die Liga will das Spielerbudget für einen Klub auf 30 Millionen Dollar pro Saison beschränken. Für viele Spieler ist das ein Problem: Die New York Rangers zum Beispiel gaben mehr als 80 Millionen Dollar für ihre Stars aus. Viel zu viel, findet NHL-Geschäftsführer Gary Bettmann. Schließlich seien die Umsätze im Marketing rückgängig: „20 von 30 Klubs verlieren Geld. Viele Klubbesitzer wollen da nicht mehr mitmachen. Wenn das so weitergeht, ist die Liga in ihrer Existenz bedroht.“

Das mag so sein. Allerdings verzichten Profis nicht gern auf Geld, auch wenn sie jetzt für deutlich weniger Gehalt in Europa spielen müssen. Denn Spielern, die in der NHL Stammspieler sind, erlaubt die NHL nicht, ihr Geld in unteren Klassen Nordamerikas zu verdienen. Große Auswahl an Arbeitsplätzen bleibt den Nordamerikanern nicht: In der russischen Liga herrschen unsichere Verhältnisse, in Schweden oder Finnland werden einheimische Stars spielen und in der lukrativen Schweizer Profi-Liga gibt es eine Ausländerbegrenzung von drei Spielern pro Team. Bleibt also die DEL: Dort sind elf Ausländer auf dem Spielberichtsbogen erlaubt, zwölf dürfen im Kader sein. „Bei uns haben sich schon mehr als 20 Spieler angeboten“, sagt Peter John Lee, Manager der Eisbären. Die Berliner haben noch nicht entschieden, wen sie aus Nordamerika verpflichten. Der erste Gegner der Berliner war schneller: Die Frankfurt Lions, die heute ins Sportforum kommen (19.30 Uhr), sicherten sich die Dienste von Stephane Robidas. Bisher verteidigte der Kanadier beim NHL-Klub Chicago Black Hawks.

Gernot Tripcke freut sich angesichts der prominenten Spieler schon auf einen Boom. „Da sind Jungs wie Nationalspieler Jochen Hecht in Mannheim, die schießen 30 Tore in der Saison“, sagt der DEL-Geschäftsführer. Doch was nun, wenn sich Abstiegskandidat Ingolstadt mit noch mehr Stars verstärkt und plötzlich um den Titel mitspielt? „Es gibt auch Grenzen“, sagt Tripcke. „Viele Klubs haben kaum noch Ausländerplätze frei. Und außerdem ist das eine Geldfrage.“

Es gibt viele Anzeichen dafür, dass Spieler wie Sturm und York nicht nur für ein paar Tage in der DEL sind – wie vor zehn Jahren, bei der ersten NHL-Spielpause. Sturm glaubt zwar, „dass der Streit in der NHL bis Dezember beigelegt ist“, Beobachter gehen dagegen davon aus, dass in der NHL diese Saison überhaupt nicht gespielt wird. Und auch die Ansprüche der DEL-Klubs sind groß. „Einen Spieler, der bezahlten Urlaub in Europa machen will, nehmen wir bestimmt nicht“, sagt Eisbären-Manager Lee.

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