Sport : Die Minuten danach

Bremen spielt 2:2 gegen Leverkusen und ärgert sich wieder über den Abpfiff

Frank Hellmann[Bremen]

Selten ist in jüngster Vergangenheit einem Schlusspfiff im Bremer Weserstadion ein derartiges Pfeifkonzert gefolgt wie gestern. Kaum hatte Felix Brych den Abpfiff ertönen lassen, machten die 38 000 ihrem Unmut Luft. Frustpfeifen gegen einen verfrühten Abpfiff: Denn die 90. Minute der turbulenten Bundesliga-Partie zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen war noch nicht einmal vorüber, da machte der 29-jährige Referee dem spannenden und gerechten 2:2 (1:0) ein vorzeitiges Ende.

„Dass nicht mal eine Sekunde nachgespielt wird, habe ich in den letzten fünf Jahren nicht erlebt“, mäkelte Werders Sportdirektor Klaus Allofs. Allein fünf Auswechslungen, drei Tore und zwei längere Verletzungsunterbrechungen in der zweiten Hälfte hätten eigentlich eine Nachspielzeit erforderlich gemacht. Torwart Andreas Reinke argwöhnte deshalb über den Unparteiischen: „Der hatte doch ein Bayer-Kreuz in der Tasche.“

Reinke war nicht der einzige Bremer, der den Juristen aus München öffentlich der Benachteiligung bezichtigte. Der Gastgeber hatte in der Schlussphase mit drei Stürmern auf den Siegtreffer gedrängt und wähnte sich nun wie in der Vorwoche als Opfer – damals allerdings wegen einer zu langen Nachspielzeit, in der die Mannschaft noch den Ausgleich hinnehmen musste. Trainer Thomas Schaaf wählte ungewohnt drastische Worte für die seiner Meinung nach willkürlichen Entscheidungen: „Ich fühle mich verarscht.“

Gleichwohl räumte er ein, dass eventuelle Nachspielminuten nicht zwangsläufig zum Sieg hätten führen müssen. Und Schaaf wusste auch: „Dass wir nicht gewonnen haben, liegt an den zehn Minuten nach der Pause, als wir nur zugeschaut haben.“ In dieser Phase wandelte Bayer nämlich den 0:1-Rückstand durch Miroslav Kloses Treffer nach elf Minuten durch Andrej Woronin und Dimitar Berbatow in eine 2:1-Führung um.

Erst danach wurde Werder wach und kam mit Moral, Willen und dem eingewechselten Stürmer Nelson Valdez zurück ins Spiel. Der Paraguayer war es auch, der nach Vorarbeit von Johan Micoud zwanzig Minuten vor Schluss den Ausgleich erzielte. Chancen zum Siegtreffer gab es danach reichlich: Ein Schuss von Klasnic etwa traf nur den Pfosten.

Bei Manager Allofs wich der Unmut über den verpassten Sieg alsbald erfreulichen Erkenntnissen: „Abgesehen von einer Viertelstunde haben wir sehr gut gespielt. Auf diesem Niveau werden wir am Ende mit oben sein. Wir spielen nicht schlechter als in der vergangenen Saison.“ In der Tat war Werder im Vergleich mit Bayer über weite Strecken das entschlossenere und torgefährlichere Team. „Wir haben erst zweite Halbzeit angefangen zu kämpfen“, sagte Leverkusens Nationalspieler Bernd Schneider. Eine Tatsache, die auch Trainer Klaus Augenthaler missfiel: „Es ist ein Phänomen, dass wir uns in der ersten Hälfte immer nur auf unsere spielerischen Möglichkeiten verlassen. So gelingt uns der Schritt nach ganz oben nicht.“

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