Sport : Die missglückte Improvisation

Hertha BSC unterliegt dem HSV 1:2 und scheidet als Titelverteidiger aus dem Ligapokal aus

Klaus Rocca

Dessau. Genau eine Woche ist es her, dass die Mannschaft von Hertha BSC im Trainingslager in Österreich ihren neuen Kapitän gewählt hat. Die Spieler des Berliner Fußball- Bundesligisten entschieden sich für Dick van Burik. Gestern Abend aber, beim Ligapokalspiel gegen den Hamburger SV, trug nicht der Holländer die Kapitänsbinde, sondern sein Stellvertreter Pal Dardai. Der Ungar durfte in der vergangenen Saison, beim Spiel in Rostock, schon einmal als Kapitän aufs Feld laufen. Hertha gewann 1:0. „Da hat das Glück gebracht“, sagt Dardai. Gestern allerdings war das nicht so. Der Titelverteidiger im Ligapokal unterlag dem HSV mit 1:2 (1:1). Im Halbfinale treffen die Hamburger am Dienstag in Jena auf den Deutschen Meister Bayern München.

Van Burik fehlte gegen den HSV wegen eines grippalen Infekts. Und er war nicht der einzige Spieler, den Herthas Trainer Huub Stevens im Duell der beiden Uefa-Cup-Teilnehmer ersetzen musste. Gleich drei Abwehrspieler fielen verletzt oder krank aus: neben van Burik auch Arne Friedrich und Josip Simunic, dazu Neuzugang Niko Kovac im Mittelfeld. Dafür konnte der angeschlagene Fredi Bobic mitwirken, der 50 Minuten durchhielt, ehe er für Luizao Platz machte.

Die Viererkette bildeten nach den Ausfällen der Stammkräfte Marko Rehmer, Andreas Schmidt, Alexander Madlung und Michael Hartmann. Dass die Berliner nur mit einer Not-Verteidigung angetreten waren, zeigte sich in der neunten Minute, als Marcel Maltritz ungestört durch Herthas Mittelfeld marschieren konnte, Bart Goor stehen ließ, Madlungs Grätsche auswich und dann das 1:0 für den HSV erzielen konnte. Sonst aber stand die improvisierte Abwehr recht sicher – was aber auch daran gelegen haben mag, dass die Hamburger nur wenig Druck auf das Tor von Gabor Kiraly ausübten.

Allerdings sah es auf der anderen Seite nicht wesentlich anders aus, so dass die 12 100 Zuschauer im Dessauer Paul-Greifzu- Stadion in der ersten Halbzeit ein eher mäßiges Spiel geboten bekamen. Fredi Bobic verpasste kurz vor dem Hamburger Führungstreffer das Tor von Martin Pieckenhagen, nachdem ihm Marcelinho den Ball auf spektakuläre Weise per Hacke zugeflankt hatte. Der Brasilianer und der neue Mittelstürmer waren auch die beiden Hauptbeteiligten an Herthas Ausgleichstreffer kurz vor der Pause. Nach einem Doppelpass mit dem Polen Artur Wichniarek leitete Marcelinho den Ball zu Bobic weiter, der vollendete am Fünfmeterraum zum 1:1.

Die Berliner machten nach der Pause zunächst etwas mehr Druck. Thorben Marx verfehlte mit einem Weitschuss das Hamburger Tor, Wichniarek hatte Pech, dass sein Schuss nach einem Alleingang durchs Mittelfeld am Pfosten vorbeiging. Genauso war es nach etwas mehr als einer Stunde auf der anderen Seite, als der eingewechselte Japaner Takahara Herthas Tor nur knapp verfehlte. Kurz darauf fiel die Entscheidung. Christian Rahn zog von der linken Seite in die Mitte, ließ Marko Rehmer stehen, der versucht hatte, den Hamburger mit einer Art Ballettfigur aufzuhalten, und schoss den Ball mit seinem schwächeren rechten Fuß ins lange Eck. Kiraly hatte keine Abwehrchance. Trotzdem tobte der Torhüter. Aber der Unmut richtete sich vor allem gegen Rehmer.

Marcelinho hatte neun Minuten vor Schluss allein vor Pieckenhagen noch die Möglichkeit zum Ausgleich – spielte den Ball aber am Tor vorbei. „Wir haben unsere Chancen nicht genutzt“, sagte Trainer Stevens. So scheiterten die Herthaner, die den Ligapokal zuletzt zweimal hintereinander gewonnen hatten, schon in der ersten Runde. Es bleibt nur die Antrittsgage von 255 000 Euro.

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